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May 16 2017

15:12

Trostlose Intimität

Von Jana Sotzko

Es gibt eine frühe Szene in Anke Stellings neuem Buch „Fürsorge“, die an ihren 2015 erschienenen Roman „Bodentiefe Fenster“ erinnert: Bei einem Pärchen-Abend entfaltet sich die ganze innere Einsamkeit von Erzählerin Gesche, die schwanger ist mit dem dritten Kind und sich am Esstisch der asketischen Tänzerin Nadja und deren drogenabhängigem Freund in Gedanken verliert. Mutterschaft, Überforderung und das Scheitern eines verklärt-romantischen Entwurfs von gerechtem Zusammenleben waren Themen von „Bodentiefe Fenster“, einem Abgesang auf die Prenzlauer-Berg-Bohème, die der Alltag zwischen Wohnprojektplena und Kinderladen auch nicht vor der Depression bewahrt.

© Nane Diehl

„Fürsorge“ fügt der ganzen Trostlosigkeit eine Dimension hinzu, die den Roman ungleich drastischer werden lässt: Nadja beginnt bei einer Reise in ihre Heimatstadt Leipzig eine sexuelle Beziehung mit ihrem 16-jährigen Sohn Mario. Das Verhältnis wird von Gesche in intimen Details geschildert – und bei allem Entsetzen über die Gefühlskälte des Mutter-Sohn-Gespanns erliegt man beim Lesen Stellings poetischen wie pointierten Bildern einer Obsession mit Körperlichkeit in Abwesenheit anderer Formen zwischenmenschlicher Kommunikation.

Anke Stelling „Fürsorge“
Verbrecher Verlag, 176 S., 19 Euro

Das Jugendzimmer, der Wohnblock, das Fitnessstudio – überall bleiben die Protagonist*innen nur bei sich. Gesches erzählerische Unzuverlässigkeit verhindert, dass die ödipale Beziehung zum reinen Voyeurismus wird, während an Stellings sprachlicher Kunstfertigkeit in diesem faszinierend-verstörendem Buch ohnehin nie Zweifel besteht.

10:11

High Kick, low Kick, rechter Aufwärtshaken

Von Leyla Yenirce

Wie oft wurdet ihr als Frau – unabhängig davon, ob ihr euch selbst als solche identifiziert – schon im öffentlichen Raum angemacht? Wie in meinem Falle wahrscheinlich schon ziemlich oft. Als ich vor zwei Jahren anfing, über einen neuen Hobbysport nachzudenken, fiel meine Wahl relativ schnell auf Kampfsport. Ein Bekannter lud zum Training ein, weil er Mixed Martial Arts (eine Art homoerotisches Kampfkuscheln, bei dem intensiv die Gesäße aneinandergerieben werden) trainierte. Das war mir aber ein bisschen zu kontaktfreudig und ich entschied mich stattdessen für Muay Thai, eine Form des Boxen, bei der Arme, Beine, Knie und Ellbogen eingesetzt werden. Da ich immer noch begeistert dabei bin, folgt nun ein kleiner Ratgeber für Einsteiger*innen, die auch mit dem Gedanken spielen, mit dem Kampfsport anzufangen.

So, ready to rumble? © Tine Fetz

Der erste Schritt: Meine Arme fühlen sich wie Spaghetti, bin ich fürs Boxen geeignet? Wenn du wie ich vorher nicht intensiv Sport gemacht hast, außer auf der Tanzfläche ungekonnt deinen Booty zu shaken, und beim Twerken auf den Boden gefallen bist, weil deine Oberschenkelmuskeln zu unausgebildet sind, solltest du trotzdem keine Angst vor dem ersten Mal Training haben. Wenn es ein guter Verein ist, dann spielt es keine Rolle, mit welcher Erfahrung du das Training beginnst. Viel wichtiger ist, dass du Lust drauf hast. Wenn du merkst, dass dir das Training eigentlich zu anstrengend ist, dann lass es auf jeden Fall sein, weil Kampfsport viel mit persönlicher Einstellung zu tun hat und weniger mit neoliberalen Körpernormen, die es durch das Training zu erfüllen gilt! Wenn du aber merkst, dass du viel Wut im Bauch hast, die am Sandsack einen richtigen Platz findet, dann leg los, auch wenn sich deine Arme wie bei mir – unabhängig von Größe, Fülle oder Breite – anfühlen wie Spaghetti, weil du sie nicht mehr als fünf Sekunden oben halten kannst. Fünf Sekunden reichen manchmal für ein K.o.

Der zweite Schritt: Ich habe mich für ein Probetraining entschieden, aber was ziehe ich an? Vor allem möchte ich mich dabei wohlfühlen und auch noch gut aussehen.
Bei der Kleidung zum Kampfsport Training gibt es nur eine Regel: wohlfühlen. Das tust du am besten, indem du Kleidung trägst, die so bequem wie möglich ist und in der du dich frei bewegen kannst. Es muss auch nicht teure Funktionskleidung sein, sondern Kleidungsstücke, die elastisch sind. Sehr gut eignen sich Leggins mit Shorts drüber und ein labbriges T-Shirt. Richtige Thaibox Shorts hab ich mir noch nicht geleistet, aber sie eignen sich neben dem Training auch hervorragend für ein cooles Sommer-Outfit und bedecken die Löcher im Schritt der Leggins, die gewöhnlicherweise nach zwei Mal tragen drin sind. Wichtig: Wenn du Brüste hast, Sport-BH nicht vergessen. Boxen ohne BH kann ganz schön wehtun. Vor allem, wenn man versucht, sich dann in peinlich improvisierter Bewegung den Vorbau mit seinen Armen zu stützen, weil BH vergessen.

Die erste Trainingseinheit: Die meisten in der Gruppe sind schon länger dabei und so viel besser! Ich schaffe es nur schwer mitzuhalten.
Wahrscheinlich sind die schnelleren Teilnehmer*innen schon länger dabei und deswegen fitter. Aber kommt es darauf an? Nein. Deswegen: Finde dein eigenes Tempo. Das hatte mir jedenfalls mein Trainer gesagt, als ich von zehn Minuten Seilspringen fast kotzen musste. Ich hatte mich mit anderen verglichen, unter Druck gesetzt und wollte mithalten – davor hatte ich einen Dürüm gegessen. Vor allem als als Frau gedeutete Person in einer männlich dominierten Gruppe fühlte ich den Drang, keine Klischees von einer vermeintlich schwächeren Person bestätigen zu wollen. Das war aber nicht sehr clever, weil ich dadurch ziemlich schnell k.o. war.

Nach drei Trainingseinheiten: Ich fühle mich nicht so wohl beim Training, weil so viele Männer mitmachen.
Dein Unbehagen ist berechtigt, aber du kannst dich erst mal langsam im Kampfsportverein umschauen, um dir dann stückweit den Raum anzueignen. Ich hatte verschiedene Gruppen ausprobiert und mich beispielsweise bei einem Trainer nicht wohlgefühlt und bin zu einer anderen Gruppe gewechselt, die ich besser fand. Oft waren die Männer in der Gruppe sehr schüchtern und hatten Berührungsängste, beispielsweise, wenn es bei den Übungen darum ging, anzupacken und von meinem Geschlecht zu abstrahieren. Im Laufe der Zeit habe ich einige Mitglieder durch kurze Gespräche besser kennengelernt, wodurch sich ein familiäres Verhältnis entwickelt hat. Stück für Stück habe ich mir so den Raum angeeignet und bin den meisten Männern im Training durch meine kontinuierliche Teilnahme sogar weit voraus.

Nach vier Trainingseinheiten: Aber dieser Voyeurismus, die gucken immer so.
Manchmal fällt es schwer, zwischen Gaffen und Gucken zu unterscheiden, weil der Körper beim Sport im Fokus steht und sich alle eh die ganze Zeit angucken. Trotzdem denke ich, dass ein ungutes Bauchgefühl oder die Intuition am Ende immer recht hat, wenn es darum geht, zwischen Gaffen und bloßem Gucken zu unterscheiden. Wenn du dich wirklich unwohl fühlst, weil dich cis Männer beim Training anstarren, dann sprich mit dem Trainer oder mache es so wie ich, direkt mit der Person, von der du dich angegafft fühlst. Natürlich kannst du auch einfach in einer Gruppe trainieren, aus der Männer ausgeschlossen werden, aber in meinem Falle mochte ich das Training beim Trainer und wollte nicht wechseln. Ignorieren ist auch eine Strategie oder einfach nach Bedarf zurückstarren. Das schüchtert verunsicherte Starrer ein.

Und dann immer dieses Mansplaining.
Die Aufgabe des Erklärens liegt beim Trainer und nicht bei den Trainierenden. Wenn es ein freundlicher Austausch ist, gibt es untereinander viel zu lernen, aber sich auf die Ratschläge einer Person zu konzentrieren, reicht meistens schon.

Nach zwei Monaten: Ich bin froh, dass ich meine Gruppe nicht gewechselt habe, weil ich als privilegierte*r Akademiker*in durch den Kampfsportverein endlich mal in Kontakt mit Menschen aus einer sozial benachteiligten Schicht komme. Das fühlt sich so real an.
Ja, dieser Gedanke kann schon auftauchen, aber 1. solltest du die soziale Herkunft von Menschen nicht romantisieren, 2. weißt du gar nicht, woher die Menschen kommen, wenn du sie nicht fragst, 3. empfehle ich, eine professionelle Distanz zu wahren und auch erst gar nicht zu fragen, weil es 4. beim Training schließlich um den Sport und nicht deinen persönlichen Hintergrund geht. Das ist im Alltag leider selten der Fall, deswegen genieße den Moment. Beachte: Wenn du nicht auf dein Geschlecht reduziert werden möchtest, reduziere nicht andere auf ihre Herkunft oder sozialen Status.

Nach sechs Monaten: Seit meine Muckis ein bisschen gewachsen sind, habe ich immer wieder Fantasien, wie ich Männer zusammenschlage, die mich beispielsweise nachts auf dem Nachhauseweg anmachen.
Ein Prozess, der total normal ist und auch richtig Spaß machen kann. Ich habe in meinen Gedanken schon oft meine gewonnene Kraft an jemandem ausgelassen, doch als Teilzeit-Pazifistin rate ich dazu, diese Fantasie nur in deinem Kopf spielen zu lassen, aber dort schon mal für den Notfall zu üben. Dieser tritt hoffentlich nicht ein, wenn doch, solltest du ohne Rücksicht auf Verluste alles aus dem Training Gelernte anwenden, so wie beispielsweise Princess Nokia. Diese hat bei einem ihrer Konzerte den sexistischen Zwischenruf eines weißen Besuchers mit einem Schlag in die Fresse beantwortet.

Die Übungen aus dem Training auf den Menschen anzuwenden kostet mich so viel Überwindung.
Das Gefühl kenne ich gut, aber das Sparring – eine Übung, bei der ein Kampf angedeutet wird – erweist sich hierfür als sehr hilfreich. Anfangs fiel es mir noch sehr schwer, die Übungen aus dem Training auf den Menschen zu übertragen, und ich habe versucht, mich vor dem Sparring zu drücken, aber das ist eine rein mentale Sache. Als ich anfing, meinen Kopf auszuschalten, konnte ich mich besser darauf konzentrieren, die Kicks und Schläge an den Pratzen und dem Sandsack in Realisationen einzusetzen. Motiviert hat mich vor allem der Gedanke, dass ich es im Notfall auch können möchte und zu meiner Selbstverteidigung muss.

So, ready to rumble?

May 15 2017

13:56

Wahre Muttertagswünsche

Von Tasnim Rödder

Am Muttertag gibt’s Blumen, am Vatertag wird gesoffen. Sind diese Feiertage eine Gelegenheit, um Danke zu sagen, oder die einfache Reproduktion konservativer Familienbilder? Betrachtet man die Zustände, dann wohl eher Letzteres. An den Tagen vor dem 14. Mai platzen die Werbeflächen vor Angeboten für Pralinen und Duftöle. In der Woche vor dem 25. Mai ist der Kasten Bier im Sonderangebot. Herzlichen Dank.

© Annette Loers

Diese Problematik nahmen auch die Netzaktivistinnen Christine Finke,  Annette Loers, Lisa Ortgies, Julia Schmidt-Jortzig und Susanne Garsoffky, Sonja Lehnert von Mama Notes wahr und riefen Mütter und Väter dazu auf, ihre „wahren Wünsche“ zum Mutter- und Vatertag zu tweeten. Bereits 2016 formulierten die Bloggerinnen diesen Aufruf und bekamen überraschend hohe Resonanz – von Twitter-Nutzer*innen, den Medien und, wer hätte es erwartet: der Politik.

Die Aktivistinnen fassten die Tweets daraufhin in sechs Kernforderungen zusammen und überreichten sie dem Familienministerium.

Übergabe der Ergebnisse der Aktion #muttertagswunsch an Petra #Mackroth vom @BMFSFJ. Wir haben 2 h geredet, war gut! pic.twitter.com/mYSxLf6vxn

— Christine Finke (@Mama_arbeitet) September 12, 2016

Missy hat sich die Tweets in diesem Jahr angeschaut. Hier ein Auszug der wahren Wünsche zum Muttertag 2017:

Viele Posts forderten bessere finanzielle Unterstützung und Akzeptanz von alleinerziehenden Müttern.

Ich wünsche mir dass man als Frau nicht später für die Entscheidung zur Mutterschaft bestraft wird mit Armut #muttertagswunsch

— Hilal Akdeniz (@akdnzhll) May 11, 2017

Ich brauche keine Gedichte, ich brauche ein Steuermodell, das mich nicht schlechter stellt als Verheiratete. #muttertagswunsch

— Capitainin (@alltagspiratin) May 7, 2017

Am Muttertag möchte ich auf meinen Steuerbescheid brechen. Wir brauchen dringend Steuergerechtigkeit für Alleinerziehende #muttertagswunsch pic.twitter.com/IIHzeVQOi3

— mutterseelesonnig (@Mutterseele99) May 14, 2017

Auch dem Bildungssystem galten viele Tweets. Die Mütter wünschen sich ein reformiertes Bildungssystem, das sich auch an Bedürfnisse nicht-konformer Familienmodelle anpasst.

Mein #Muttertagswunsch: Einen am Kind orientierten Betreuungsschlüssel und gutes Personal in Kitas und Schulen deutschlandweit!

— AufbruchzumUmdenken (@AufbruchLeen) May 14, 2017

Ich wünsche mir bezahlbare und gute Kitas, die zeitlich flexibel sind, so dass Frau arbeiten gehen kann. #muttertagswunsch

— Sylvia Rupp (@SylviaRupp) May 7, 2017

Ich brauche keinen Kuchen, sondern für jede Schwangere eine 1zu1 Betreuung durch Hebammen. #muttertagswunsch

— Lottes Motterleben (@lottesmotte) May 7, 2017

Außerdem kritisierten die Twitterinnen das in der Gesellschaft kontinuierlich bestehende Idealbild der Mütterlichkeit.

»Der Mütterlichkeit muss die Speckschicht der Idealität, die man ihr angeredet hat, genommen werden.« Hedwig Dohm #muttertagswunsch

— umstandslos magazin (@umstandslos) May 14, 2017

, dass 'Alleinerziehende' nicht immer wie ein Fremdwort angesehen wird,sondern bedeutet, das Unterstützung gebraucht wird #muttertagswunsch

— ⭐ Traum-haft ⭐ (@Polarbaerin) May 7, 2017

Missy meint: Der Muttertag soll für alle* da sein. In dem Sinne: Fühlt euch angesprochen und feiert euch. Am besten jeden Tag.

This day like so many others is beautiful and painful. pic.twitter.com/g0lQvklDfF

— Chase Strangio (@chasestrangio) May 14, 2017

Mehr Informationen zu der Aktion findet ihr hier.

10:03

Bleib geschmeidig

Wisst ihr noch, als ihr bei uns hübsche Beutel und Shirts per Mail bestellen konntet? Diesen Zeiten verpassen wir ein überfälliges Upgrade, das 21. Jahrhundert und der Feminismus-als-Lifestyle-Trend haben uns eingeholt: Ab sofort könnt ihr in unserem nagelneuen Missy-Shop den heißesten Scheiß kaufen. Inspiriert von der Idee der Radical Softness präsentieren wir zum Start des Missy Shops unsere kleine, aber feine Kollektion. Sie entstand in Kooperation mit coolen Designer*innen und unabhängigen Labels. Das macht jedes Teil zu einem echten Lieblingsstück.

Zurückhaltung und Selbstbeherrschung bevorzugt? Nicht bei uns. Wir lassen unseren Gefühlen freien Lauf. Ganz nach der Idee von Lora Mathis, der*die mit seinem*ihrem Zine und seiner*ihrer Poesie dazu aufruft, unsere Emotionen wieder anzunehmen und auszuleben, sie nicht zu pathologisieren und zu enttabuisieren. In einer Gesellschaft, die einen Mangel an Emotionen vorzieht, ist das Teilen deiner Emotionen ein politischer Akt.

Inspiriert von dieser Idee der Radical Softness präsentieren wir zum Start des Missy Shops Shirts und Patches. Entworfen hat sie der Designer Deniz Weber für uns – und jedes Teil ist ein absolutes Lieblingsstück!

© Verena Brüning

Weil Softness das ist, was du daraus machst, kannst du dich bei unseren Nagellacken von uslu airlines entscheiden, ob du heute knallig, bunt oder zart bevorzugst. Mit einem Auftrag erhältst du den Transparenzlook, mit dem zweiten entfaltet sich die volle Farbdeckung. Wir arbeiten für unsere Kosmetik mit uslu airlines zusammen, weil alle Produkte sehr hohe Qualitätsstandards haben und besonders umweltfreundlich sind.

Gemeinsam mit dem Hamburger Schmucklabel Jonathan Johnson ist ein echtes Schmuckstück entstanden: der Tampon-Schlüsselanhänger. Weil Menstruation für uns kein Tabu ist, ist der Schlüsselanhänger elegant und protzig, wie es sich gehört!

© Verena Brüning

Auch Jonathan Johnson legt größten Wert auf eine nachhaltige Produktionsweise. Seine gesamten Entwürfe produziert er selbst in seinem Hamburger Atelier und verwendet dabei ausschließlich recycelte Materialien, welche er von einer deutschen Scheideanstalt bezieht. Sein Werkzeug stammt aus heimischen Manufakturen und er produziert ausschließlich mit Ökostrom.

Mach dir selbst oder anderen eine Freude, denn mit unseren fairen Shirts, handgemachten Accessoires und nachhaltigen Kosmetika siehst du nicht nur cool aus, sondern unterstützt auch noch unabhängigen feministischen Journalismus. Stay soft – shop Missy!

May 12 2017

09:56

Zukunftsängste Reloaded

Interview von Hengameh Yaghoobifarah

„No Emotions“ heißt die erste EP der Wahlhamburgerin Ilgen-Nur, die heute mit rauen Gitarrenriffs, ehrlichen Texten und den Sorgen vieler Millenials auf dem Leipziger Kassettenlabel Sunny Tapes erscheint. Neben den fünf Tracks gibt es das Musikvideo zum heimlichen Hit „Cool“, das bei Missy Premiere feiert.

Deine Single „Cool“ fasst sehr gut Gefühle der Teen Angst und des Erwachsenwerdens zusammen. In welchen Kontexten fühlst du dich nicht cool genug?
Ilgen-Nur: In „Cool“ ging es mir hauptsächlich darum, das Gefühl aufzufangen, dass ich mich nicht „gut genug“ fühle.  Als ich den Song geschrieben habe, war ich an einem ziemlichen Down angekommen, ich hatte gerade mein Studium abgebrochen und keinen Job mehr und wusste nicht, ob ich genug Energie und Ressourcen für einen Neuanfang sammeln konnte. Ich wollte richtig gerne studieren, Freund*innen treffen und Musik machen – stattdessen bekam ich nicht mehr genügend Geld für meine Miete zusammen und in Bewerbungsgesprächen eine Absage nach der anderen. Ich hatte keinen geregelten Tagesablauf und war pleite und musste mich damit auseinandersetzen, was ich will und was ich eigentlich kann. Der Song handelt also eher nicht davon, cool vor anderen dazustehen, sondern einen Ausweg zu finden, der mich glücklich macht.

© Maximilian Mundt, T-Shirt von Everyday Powerplay Welche anderen Themen lagen dir bei deiner ersten EP auf dem Herzen? Die EP ist für mich ein klassischer Coming-of-Age-Soundtrack. Es geht darum, endlich unabhängig zu sein und Träume zu verwirklichen, die man als Teenager auf dem Dorf hatte, aber auch zum Beispiel Freund*innenschaften, die kaputtgehen, Einsamkeit und Verlangen sowie Wahrnehmung. Der letzte Song der EP „No Emotions“ ist auch der Titel der EP, da singe ich über meine Vorstellung darüber, wie mich andere wahrnehmen und wie ich mich selbst wahrnehme.

Wie gehst du vor: Schreibst du erst Melodie oder erst die Texte? Als Allererstes schreibe ich Texte, das passiert meistens sehr impulsiv und schnell und ich arbeite nach dem ersten Entwurf auch eigentlich fast nie weiterhin an dem Text. Anschließend versuche ich, ein passendes Tempo oder eine Melodie auf der Gitarre oder dem Bass dazu zu finden, und habe eine gewisse Vorstellung davon, wie der Song klingen soll. Daraufhin nehme ich eine kleine Demo auf meinem Handy auf und der Track wird anschließend  – wenn ich ihn gut genug finde – im Proberaum weiterausgearbeitet.

„No Emotions“-EP
Ilgen-Nur
Sunny Tapes

Ilgen-Nur live:
17. Mai Berlin, Badehaus (solo / Support für Kele Okereke)
20. Mai Hamburg, Molotow (Euphorie Festival)
21. Mai Berlin, Kantine am Berghain (Support für Trümmer)
22. Juli Varel, Watt En Schlick Festival
20. – 23. September Hamburg, Reeperbahn Festival
30. November Hamburg Uebel & Gefährlich – Festival Für Junge Menschen
01. Dezember Berlin, Festsaal Kreuzberg  – Festival Für Junge Menschen

Wer inspiriert dich in deiner Arbeit? Hauptsächlich bin ich von Gedanken und Gefühlen sowie menschlichen Beziehungen inspiriert, dabei ist es ziemlich egal, ob diese romantisch oder platonisch sind. Ich höre zwar selbst auch viel Musik, verfolge gewisse Leute, die ich cool finde, und schaue gerne Filme, die mich inspirieren, aber leider haben diese meistens keinen so großen Einfluss auf das, was ich mache, wie ich es mir gerne manchmal wünschen würde.

May 11 2017

12:05

Pop + Punk = Sneaks

Von Katja Peglow

Weniger ist das neue Mehr! Langweile dürfte mit „It’s A Myth“ von Eva Moolchan alias Sneaks nicht so schnell aufkommen, deren Songs nur selten die Zwei-Minuten-Grenze überschreiten. Dem Trend zum extra langen Popalbum setzt die aus Washingtons DIY-Punkszene stammende Musikerin kompakte 18 Minuten auf ihrem soeben veröffentlichten zweiten „Longplayer“ entgegen. Damit ist „It’s A Myth“ sogar stattliche vier Minuten länger als der schlanke Vorgänger „Gymnastics“ geworden (das sind im Sneaks-Universum schon einmal zwei Songs mehr).

Sneaks © Nina Corcoran

Der Nachfolger folgt erneut konsequent einer durchgehenden Sound-Richtlinie, der sich Sneaks schon auf ihrem im letzten Jahr auf Merge wiederveröffentlichten tollen Debüt verschrieben hat. „I get away with the formula“, verkündet die 21-jährige Moolchan abgeklärt im Opener „Inside Edition“. Warum ändern, was gut zusammenpasst?

Während andere Bands ein ganzes Areal an Instrumenten für ihren Soundkosmos benötigen, kommt Moolchans minimalistischer Postpunk mit einem billigen Drum-Computer, ein paar muskulösen Bassläufen und ihrem lässigen Sprechgesang aus. Klassische Songstrukturen spielen bei Sneaks keine allzu große Rolle.

Sneaks „It’s A Myth“
(Merge/Cargo), bereits ersch.

Vielmehr liegt der Fokus des Albums auf dem Groove, aus dem sich Moolchans wie beiläufig erklingende Stimme und skizzenhafte Texte generieren. Das Ergebnis ist Pop und Punk zugleich und eine der besten Platten des Jahres. Nur von welchem Mythos Eva Moolchan auf ihrem zweiten Album singt, erfahren wir leider nicht. Das bleibt vorerst ihr Geheimnis. Diese großartige Platte hoffentlich nicht.

May 10 2017

09:19

„Frauen haben in der Tischlerei eine lange Geschichte“

Interview: Anna Mayrhauser

Wie bist du Tischlerin geworden?
Thais Ribeiro Jibaja: Ich habe die dreijährige Ausbildung in einer Werkstatt absolviert und einmal wöchentlich in der Berufsschule die Theorie gelernt. Ich wollte Tischlerin werden, weil es ein Beruf ist, mit dem ich auch reisen kann. Holz spricht eine internationale Sprache, und das Bedürfnis, daraus Sachen zu erzeugen, gibt es überall auf der Welt.

Thais Ribeiro Jibaja arbeitet als Tischlerin in Berlin. © Mirjam Klessmann

Wo arbeitest du?
Ich bin selbstständig und arbeite ab und zu als Bühnentechnikerin am Theater. Außerdem habe ich mit drei befreundeten Tischlerinnen ein Kollektiv gegründet. Wir lernen viel voneinander. Aufträge nehmen wir gemeinsam an und unterstützen uns gegenseitig. Im Moment habe ich keine eigene Werkstatt, sondern miete mich wochen- oder tageweise ineiner ein.

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?
Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen. Wenn ich mein nötiges Gehalt zusammenhabe, genieße ich meine freie Zeit.

Wie viele Stunden arbeitest du täglich?
Wenn ich arbeite, dann acht Stunden am Tag und etwa zwei Wochen im Monat Vollzeit.

Wie viel verdienst du?
Eine selbstständige Tischlermeisterin verdient etwa 35 Euro die Stunde. Ich verdiene weniger, weil ich Gesellin bin, aber es hängt von meiner Auftragslage ab. Eine Kollegin arbeitet festangestellt in Teilzeit und bekommt ein Fixgehalt, etwa tausend Euro netto im Monat.

Thais Ribeiro Jibaja arbeitet als Tischlerin in Berlin. Ihr Kollektiv ist unter sqllz@gmx.de zu erreichen.

Wie sind die Arbeitsbedingungen für Frauen in deiner Branche?
Frauen haben in der Tischlerei eine lange Geschichte, ich habe bei zwei Meisterinnen gelernt. Ich fühle mich besser, wenn Frauen dabei sind. Deshalb haben wir das Kollektiv gegründet – wir sind nicht alleine und geben uns Sicherheit, etwa wenn wir für einen Auftrag unterwegs sind. Die meisten Kund*innen freuen sich, wenn sie sehen, dass ich eine Frau bin. Am Theater habe ich aber nur Kollegen, die sind auch alle sehr nett. In der Jobausschreibung stand, Frauen würden bevorzugt. Das hat mich ermutigt. Ich finde es wichtig, dass Frauen in allen Branchen mehr repräsentiert werden. Eine inklusive Jobausschreibung kann viel dazu beitragen.

Dieser Artikel erschien zuerst in Missy Magazine 02/2017 und ist ein Beitrag aus der Rubrik „Work Work Work“ in der regelmäßig Frauen von ihrer Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen erzählen.

Reposted byCarridwenTigerle

May 09 2017

10:12

Frauen an der Macht

Von Tove Tovesson

„Sie ist radikal und skrupellos. Trotzdem hat Marine Le Pen gute Chancen, den ersten Wahlgang zu gewinnen. Warum thematisiert niemand, dass es eine Frau ist, die es so weit gebracht hat?„, heißt es auf „Zeit Online“. Darauf habe ich ungefähr 780 Antworten. Ein Auszug: Es wird nie nicht „thematisiert“, dass (und wenn ja, ob wirklich!) eine öffentliche Person eine Frau ist. Wo nur möglich, wird es gegen Frauen verwendet, dass sie Frauen sind.

© Tine Fetz

Warum eigentlich „trotzdem“? Bezieht sich die Verwunderung darauf, dass eine radikale und skrupellose Person eine Wahl gewinnen könnte, oder darauf, dass sie eine Frau ist, die Eigenschaften hat, die in der Vorstellung von „Zeit“-Redakteur*innen so gar nicht fraulich sind? Oder darauf, dass doch allgemein bekannt ist, dass die Gesellschaft Frauen verachtet? Über politische Inhalte möchte die „Zeit“ offenbar nicht reden, trotzdem sei gesagt: Radikal und skrupellos passt anscheinend ganz gut zur Stimmung der wählenden Bevölkerung. Sie ist radikal und skrupellos.

Wie kann es nun sein, dass es eine Frau in diesem Kontext so weit bringt? Oder auch: Kann man das nicht irgendwie gegen Frauen verwenden, dass so ein besonders verkommenes Exemplar …?

Es gibt sie, die Feministinnen, deren Ziel „die Hälfte der Macht“ oder eine ähnlich unkritische Version von Gleichberechtigung ist. Es ist ein vergleichsweise unbedrohlicher Feminismus für das Patriarchat und lohnt sich vor allem für Frauen, denen es schon relativ gut geht, also deren einziges strukturelles Problem ist, dass sie Frauen sind. Aber auch für Männer springt etwas dabei heraus, im Scheinwerferlicht den Kuchen mit einer Frau zu teilen, nämlich der Schein der Progressivität. Eine Frau mit Macht und ohne tatsächlich progressive Agenda ist ein neoliberaler Deflektorschild. Denn ist Ungerechtigkeit nicht ein kleines bisschen weniger schlimm, wenn eine Frau sie propagiert? Und kann diese Frau sich deshalb sogar für eine Weile ein bisschen mehr Scheußlichkeit erlauben?

Eine extreme rechte Frau bedient somit nicht nur rechte, sondern auch neoliberale Ideologie, denn der Neoliberalismus hat kein Problem mit Macht und Gewalt an sich. Nur selbst zu den Verlierer*innen zu gehören, das wäre ungut. Diese müssen dann nur noch mit Pseudogerechtigkeit mundtot gemacht werden, damit der Laden unbehelligt läuft. Seht her, Frauen als Staatsoberhäupter, Personen of Color als Cops, sogar mit Hijab und Dastar, Pepsi gegen Polizeigewalt. Gleichberechtigung, Diversity!

„Viele Liberale hoffen, dass Ivanka Trump mäßigend auf ihren Vater wirkt. Nun trifft sie auf die Kanzlerin. Aber was, wenn die Tochter den US-Präsidenten nicht korrigiert – sondern seine Komplizin ist?“, fragt sich ebenfalls ein Mensch bei „Zeit Online“. Das mit der Komplizenschaft ist schnell abgehandelt, wenn man sich erinnert, dass Trump nicht nur von weißen Männern, sondern ebenso von weißen Frauen zum Präsidenten gemacht wurde. Ist es nicht sogar besonders aufschlussreich und belastend, dass weiße Frauen in dieser Wahl ihren Rassismus über Frauenrechte gestellt haben? Scheiß auf körperliche Selbstbestimmung. Frauen sind keine passiven Bystander im Rassismus, sondern davon entweder positiv oder negativ betroffen. Die Unschuldsvermutung gegen weiße Frauen ist ebenso unberechtigt wie hartnäckig.

Töchter zu haben hält Männer auch nicht davon ab, widerliche Macker zu sein. Der Zauber der Immunität durch Proximität wird aber gern bemüht. Eine erwachsene Frau, die sich neben jemanden wie Trump stellt, sollte in ihrer Haltung ernst genommen werden, statt ignorant weibliche Tugenden der Mäßigung auf sie zu projizieren.

Konservative verstehen und unterstützen Frauen als Hostessen für den gleichen Scheiß, den alte Männer langsam nicht mehr alleine abziehen können. Frauen an der Macht sind kein begrüßenswerter Anbruch einer neuen Zeit, sondern alter Lack in neuen Schläuchen.

Reposted byxmascolaramalschauen2

May 08 2017

11:40

Das „Schweigen der Männer“ umfasst auch das Thema Kinderwunsch

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Von Beat Weber

Jochen ist 27, als er erfährt, dass seine Freundin schwanger ist. Er will das Kind, sie ist skeptisch.“ Ein solcher Klappentext – hier zu finden auf Jochen Königs Buch „Fritzi und ich. Von der Angst eines Vaters, keine gute Mutter zu sein“ – ist ein Ausnahmefall. Im jungen Buchgenre „Väter erzählen von sich“ dominiert das humorige Berichtswesen über die Tücken und Hürden des Alltags mit Kleinkindern. Wie es zur Vaterschaft kam und welche Rolle der eigene Kinderwunsch dabei spielte, kommt in der Regel nicht vor.

May 05 2017

08:50

Die Türöffnerinnen

Interview von Hengameh Yaghoobifarah

Ihr organisiert eine HipHop-Party, bei der nur cis Frauen und trans Personen auflegen. Wie kam es dazu?
hoe__mies: Die Idee zur Party entstand ursprünglich aus einem Disput zwischen Gizem und dem Veranstalter einer R’n’B-Party, in deren Fokus vermeintlich Frauen* standen; sowohl hinsichtlich der Musikauswahl als auch der kompletten optischen Aufmachung des Events mit Lil’ Kim auf dem Cover und so. Als klar wurde, dass Frauen* weder am Line-up noch an der Organisation einer Party beteiligt sind, die sich damit brüstete, Weiblichkeit zu zelebrieren, entbrannte eine Diskussion zwischen einem der Veranstalter und Gizem. Diese führte leider ins Nichts, da er keine Notwendigkeit darin sah, Frauen* in die Planung und Umsetzung einzubinden, und ohnehin sei ihm Berlin in vielerlei Hinsicht zu politisch. Frauen* funktionieren scheinbar als Aufhänger für eine Party, die ihm die Taschen füllt, die in Wirklichkeit aber nicht für uns da ist. Am Ende unseres Gesprächs sagte er, wem die Party, so wie sie ist, nicht gefalle, könne es ja gerne besser machen – gesagt, getan. Gizem hat dann noch ihre Schulfreundin Lucia mit ins Boot geholt, die in der queeren Partyszene zu Hause ist. Wir wollten das Ganze inklusiv denken und gestalten. Das ist unser Anspruch in erster Linie, dicht gefolgt von der Liebe zu HipHop.

Die Künstlerin Mayowa Osinubi zwischen den Organisatorinnen Gizem (rechts) und Lucia beim Bewerben der Party. © Tatjana Glowinski

Es gab ja schon immer tolle weibliche, nicht-binäre und queere HipHop-Acts, trotzdem wird die Szene als Männerdomäne wahrgenommen. Warum, glaubt ihr, ist es so?
Puh, so leicht ist das nicht zu beantworten (immerhin schreibt Gizem gerade eine ganze MA zu diesem Thema mit Fokus auf die deutsche HipHop-Szene). Wie in nahezu allen sozialen Kontexten ist halt auch HipHop ein Feld, in dem das Patriarchat wirkmächtig ist und in dem cismännliche Akteure gewisse Privilegien genießen. Das spürst du als Rapper*in, als DJ, als Produzent*in, you name it. Oftmals wird einer*m das Gefühl gegeben, weibliche, nicht-binäre oder queere Leute unterliegen anderen Standards, können sich nicht mit den cis Männern messen. Schau dir z.B. mal die Kommentare unter Videos deutscher Rapper*innen an oder aber Interviews von Expert*innen wie Visa Vie. Wenn sie nicht aufs Heftigste objektifiziert werden, wird ihnen ihr Talent abgesprochen oder es wird sich halt drüber aufgeregt, wenn sie das gleiche Vokabular wie ihre cismännlichen Kollegen verwenden. Solchen Kommentaren müssen sich cismännliche Acts vergleichsweise selten aussetzen. Bei ihnen wird schon eher auf die Performance geschaut. Sie werden als mehrdimensionale Charaktere mit unterschiedlichen Facetten wahrgenommen, während 08/15-Konsument*innen bei weiblichen, nicht-binären oder queeren Acts selten auch nur über die Kategorie Geschlecht hinwegkommen.

Hinzu kommen sexistische Frauenbilder sowie frauen-, homo- und transfeindliche Sprache, die die in der Szene vorherrschenden Machtverhältnisse immer wieder reproduzieren. Aber da ist unserer Ansicht nach ein Wandel im Gange. Heutzutage kann (Social Media sei Dank) erstens nicht mehr alles konsequenzenlos gesagt werden. Zweitens etablieren sich (international) immer mehr weibliche* sowie LGBTQI Akteur*innen in der Szene, dekonstruieren Stereotype, queeren Diskurse und machen einfach killa Musik. Sie sind Türöffner*innen, schaffen Plattformen für Narrative, die sich um ihre Erfahrungen drehen, und empowern damit die nächste Generation. Wir sollten uns mehr darum bemühen, die Reichweite gerade dieser Künstler*innen zu erhöhen, wenn wir Sexismus im HipHop in den Arsch treten wollen. Hoe__mies bietet eine Möglichkeit dafür.

Warum sind Partyräume für Frauen* und nicht-binäre Personen so wichtig?
Gerade weil wir in der HipHop-Szene so marginalisiert sind, ist es wichtig, dass wir uns Räume schaffen, die von uns für uns gemacht sind und in denen wir uns wohlfühlen. Die wenigsten HipHop-Partys verschwenden auch nur einen Gedanken daran, Frauen* in ihr Line-up einzubinden, wobei cis Frauen schon noch häufiger eingeladen werden als trans Personen. Was wir in letzter Zeit beobachten, sind Partys, bei denen Frauen* auf ein Motto reduziert werden, à la „Girls Edition“. Das reicht absolut nicht, denn es muss langfristig Orte geben, an denen wir im Mittelpunkt stehen und Gelegenheiten haben, unsere Talente zur Schau zu stellen. Es ist uns wichtig, dass wir positive Selbstbilder, Menschen, mit denen wir uns identifizieren können, in einer Szene repräsentiert sehen, die cismännlich dominiert ist und frauen-, trans- und homofeindliche Sprache reproduziert. Darum soll hoe__mies ein Empowerment-Space sein, der unsere Präsenz im HipHop normalisiert und zelebriert.

Was verbirgt sich alles hinter hoe__mies?
Auf Facebook haben wir hoe__mies als Community gelabelt. Wir wollen ein Empowerment-Space für diejenigen sein, die in der HipHop-Szene wenig Repräsentation finden. Das bedeutet für uns nicht nur, coole Partys zu schmeißen, sondern auch eine Plattform für all diese Talente zu sein, die in cismännlich dominierten Spaces untergehen. Bei uns sollen DJs spielen, die nicht immer und überall die Chance zum Skills-Testen und sich entwickeln bekommen. Wir wollen aber auch andere Kunstformen würdigen, z.B. Visual Arts, Tanz oder Kunsthandwerke wie Schmuckherstellung. Zu jeder hoe__mies Edition interviewen wir eine*n Künstler*in und stellen ihn*sie unserer Followerschaft vor. Dieses Mal war es Multitalent Mayowa Osinubi und das Interview mit ihr findet ihr hier.

Wir sind eigentlich offen für vieles, z.B. Designer*innen, die gerne im Rahmen unserer Party was von sich zum Verkauf anbieten würden, Live-Musik-Performances, Kunstausstellung und Party im Anschluss etc. Hoffentlich bekommt ihr einen Eindruck davon, wie der Support von unserer Seite so aussehen kann. Anfragen von Künstler*innen bitte an hoemiesberlin(at)gmail(dot)com und checkt unbedingt auch unsere Facebook– und Instagram-Seiten für Updates zu unseren Events und Artists.

Gizem und Lucia verbreiten das Wort auf der Straße. © Tatjana Glowinski

Was geht auf der ersten Party?
Die erste hoe__mies Edition findet am 05. Mai im Beate Uwe statt. Das ist ein sehr schöner kleiner Club am U-Bahnhof Jannowitzbrücke, der von 2 Personen of Color betrieben wird. Musikalisch decken wir ein breites Spektrum ab und bieten alles von Old School HipHop und R’n’B über Trap, Grime, Afrobeats, Dancehall u.v.m. Unsere Stars des Abends an den Decks sind DJ Pam Bam, Ford Kelly, Kakao Katze, Jaxx On und Meg10. Wir haben außerdem die großartige Mayowa Osinubi als Fotografin und Visual Artist am Start, die den Abend für uns festhalten wird. Zusätzlich haben wir noch ein paar nice Visuals in petto, die hoffentlich für gute Vibes sorgen werden.

Wenn sich die Reihe etabliert und ihr unabhängig von Budget buchen könntet, welche Acts würdet ihr gerne einladen?
Da gibt’s so viele! Gizem geht momentan auf Junglebae, CupcakKe, Stefflon Don und 070Shake ab. Für Lucia wären es Coco Mamba, NIPAH, Junglepussy, SZA, Sevdaliza, Kitty Cash und aus dem deutschen Raum Ace Tee und Eunique!

Und warum heißt ihr eigentlich hoe__mies?
Auf den Namen kamen wir gemeinsam mit einer befreundeten Person beim Kaffeekränzchen. Wir diskutierten über die Aneignung und Umdeutung von Begriffen, deren alleiniger Zweck darin besteht, unsere Sexualität zu kontrollieren und jegliche von der auferlegten Norm abweichende sexuelle Aktivität zu skandalisieren. Das Wortspiel aus „homie“ und „hoe“ soll Slut-Shaming und Hurenfeindlichkeit – und Shamer*innen – den Wind aus den Segeln nehmen, indem wir klarmachen, dass uns spaltende Binaritäten wie Heilige vs. Hoes hier strikt abgelehnt werden. Bei uns kann jede*r sein, wer oder wie er*sie ist. No judgement. Tatsächlich haben sich schon einige durch den Namen provoziert gefühlt (hauptsächlich cis Männer), weil sie nicht nachvollziehen können, warum wir uns selbst so bezeichnen lolz. Aber Provokation und Kontroversen finden wir wichtig und notwendig.

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May 04 2017

08:26

Kaleidoskop der Erinnerung

Von Judith Werner

Auf dem Holztisch dampfen die Tortellini im Tomatensud, der Büffelmozzarella glänzt milchig weiß unter den saftig grünen Basilikumblättern. In der Küche des kleinen toskanischen Bauernhauses sitzen drei Brüder und reden über ihre Kindheit. Eine pittoreske Szene toskanischen Familienlebens, könnte man meinen. Doch die Geschwister Anati sind hier nur Gäste an dem Ort, der einst ihre Heimat war.

© GMfilms

Die israelische Regisseurin Tamar Tal begleitet in ihrem Dokumentarfilm „Shalom Italia“ Emmanuel, Reuven und Andrea Anati bei ihrer Spurensuche: Während des Zweiten Weltkriegs musste sich die jüdische Familie vor den deutschen Truppen verstecken. Um der Deportation zu entgehen, flohen sie in einen nahe gelegenen Wald, wo sie unter Todesangst und Entbehrungen in einer Höhle ausharrten. Eine Story wie gemacht für einen Hollywoodstreifen – Tamar Tal entschied sich jedoch dafür, das Ganze dokumentarisch festzuhalten.

Es ist eben nicht nur eine Geschichte, die sie erzählt, sondern ein kaleidoskopartiger Blick auf ein gemeinsames Schicksal: Emmanuel, mit 84 Jahren ältester der drei Brüder, hat seine Kindheit so gut wie möglich verdrängt und verspürte nie das Verlangen, aus Israel nach Italien zurückzukehren. Der elf Jahre jüngere Reuven hingegen kann sich an die Zeit in der Höhle kaum erinnern und ist auf die Erzählungen der Geschwister angewiesen. Er ist es, den die Neugier antreibt, sich auf die gemeinsame Reise zu begeben und das einstige Versteck aufzuspüren. Der heute 82-jährige Andrea hingegen scheint die Flucht zu einer Abenteuergeschichte verklärt zu haben und schwärmt vom damaligen Leben im Wald.

Tamar Tal Anati, die mit ihrem Dokufilm „Life In Stills“ (2011) international für Aufsehen sorgte und zahlreiche Preise gewann, ist keine unbeteiligte Beobachterin: Die Anati-Brüder gehören zur Familie ihres Ehemanns. Es ist also auch ein Stück weit ihre eigene Suche, die sie mit der Kamera verfolgt. Vielleicht gerade auch weil sie die Protagonisten ihres Films persönlich kennt, gelingt es ihr, ihnen Raum zu geben. Oft ist die Kamera weit entfernt, etwa wenn die Brüder durch das alte Dorf spazieren, in dem sie eine Frau entgeistert wiedererkennt.

Der Film dringt nicht gewaltsam in die Psyche der Figuren ein, versucht nicht, menschliches Leid heranzuzoomen. Im Fokus stehen vielmehr das Erinnern und die damit verbundenen Schwierigkeiten: Welcher der Brüder kennt die wahre Geschichte – und gibt es überhaupt so etwas wie Wahrheit? Geschickt erlaubt sich Tal einzelne Close-ups, zum Beispiel wenn Emmanuel, der Anthropologie-Professor, über Legendenbildung und Historie spricht: „Es gibt verschiedene Versionen und verschiedene Versionen, an die die Menschen glauben.“ Ein kurzes Blinzeln, ein Räuspern – für einen Moment glaubt man den Schmerz erblicken zu können, den zu fühlen er sich ein Leben lang verboten hat.

„Shalom Italia“ IL/DE 2016
Produzentin/Buch/Regie: Tamar Tal Anati.
Mit: Emmanuel Anati, Andrea Anati, Ruben Anati, 71 Min., Start: 04.05.

Die Erzählungen der Brüder – so versteht man am Ende – sind allesamt wahr, insofern sie ihr eigenes Erleben widerspiegeln. Jeder glaubt an die Geschichte, die ihm ein Weiterleben nach dem Trauma möglich gemacht hat. Und so feiert der Film mit malerischen Ausblicken auf toskanische Hügel und der italienischen Liebe zu gutem Essen, die die drei Brüder aufs Genussvollste zelebrieren, vor allem eins: das Leben.

May 03 2017

10:14

Kein Triumph, kein Sieg

Von Eva-Maria Tepest

Alice Weidel wurde erstmalig in der Talkshow „Maischberger“ im März mit der Frage konfrontiert, inwiefern „das geht“: ihr Leben als Frau, die mit ihrer Partnerin zwei gemeinsame Kinder großzieht, und ihre Arbeit in der AfD, die im Wahlkampf das „Ja zu Vater, Mutter, Kind“ propagiert. Sie findet, „das geht“. In ihrer Antwort reiht sie zaghafte Halbsätze aneinander, sagt etwa, dass es nur um unterschiedliche Namen für irgendwie auch unterschiedliche Dinge gehe (Ehe für Mann und Frau, eingetragene Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare) und ihr Leben sowieso gar nichts mit ihrer Parteizugehörigkeit zu tun habe: „Es geht letztendlich um die Trennung von Privatem und der Politik.“

Alice Weidel ©Wikimedia Commons/MAGISTER/CC BY-SA 3.0 de

Die frisch gewählte AfD-Spitzenkandidatin, die auf dem Kölner Parteitag prompt hetzte, die Political Correctness gehöre auf die „Müllhalde der Geschichte“, ist nur eine Verkörperung dessen, was auch bei genauerem Hinsehen zunächst unvereinbar scheint: Die Entscheidung für eine Partei, die das eigene Lebensmodell nicht nur entrechtet, sondern die in einem Feldzug gegen alles Uneindeutige, Schwache, den Volkskörper gefährdende folgerichtig Frauen- und Homofeindlichkeit propagiert. Und die in femo- und homonationalistischer Manier den Islam allein für den Frauen- und Homohass verantwortlich macht, den sie selbst propagiert.

Weidels Exparteikollege und ehemaliger Sprecher der Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD Mirko Welsch findet die AfD „nicht schwulenfeindlich„, obwohl sie mal in Thüringen homo-, bi- und transsexuelle Menschen zählen lassen will, mal gegen „Gender Mainstreaming“ als Geisteskrankheit hetzt und sich immerzu um die demografische Entwicklung des deutschen Volkskörpers sorgt. Die Teilnehmenden der Wahlveranstaltung „Gays for Trump“, bei der sich der schwule niederländische Rechtsextreme Geert Wilders und Miro Yiannopoulos, Posterboy der US-amerikanischen „Alt-right“ (bis zu seiner Aussage, Sex mit Minderjährigen, das gehe), die Hand gaben, beschrieb Laurie Penny als „jammernde Armee von Trollen“: „Genau wie Trump und viele erfolgreiche Politiker*innen in diesem postmodernen Zirkus kanalisieren sie ihren eigenen Narzissmus, um der wortlosen, formlosen Wut der vom Neoliberalismus auf der Strecke gebliebenen Menschen eine Stimme zu geben. Sie eröffnen neue Gewinnchancen für die erniedrigten Massen. Welcome to the scream room.“

In Frankreich wählten bei den Regionalwahlen 2015 in Paris 32 Prozent der homosexuellen verheirateten Paare rechts und lagen damit vor den verheirateten Heteropaaren (die zu 30 Prozent Front National wählten). Marie LePen, die mehr schwule enge Berater hat als irgendein*e andere*r Spitzenpolitiker*in Frankreichs, nutzte die Attacke von Orlando für die Feststellung, wie stark weiße Homosexuelle vom Islam bedroht seien. Dass zu den Opfern von Orlando überwiegend latinx, Schwarze Queers und trans Personen gehörten, wird dabei ausgeblendet.

Wie können wir den Spalt begreifen, der bei Weidel und Co. zwischen ihrer sexuellen Identität einerseits und ihren politischen Positionierungen andererseits klafft? Warum führt die mutmaßliche Verwundbarkeit (als Homosexuelle, als Frau) Alice Weidel nicht zur Solidarisierung als Teil eines sozialen Kampfes, sondern stattdessen geradewegs in die antifeministische Hölle?

Wir leben in Zeiten, in denen jeder einfache Schluss auf die politische Position qua Identität nach hinten losgeht. Das bedeutet nicht, dass beide in keinerlei Zusammenhang stehen, das bedeutet nur, dass dieser weitaus komplexer und bedenkenswerter ist, als wir uns manchmal ausmalen können. Der französische Soziologe Didier Eribon beschrieb in seinem viel rezipierten Buch „Rückkehr nach Reims“, dass Solidarität nur möglich wird durch eine Bewegung, in der wir alle versuchen, von der kurzfristigen Befriedigung fehlgeleiteter Einzelinteressen abzusehen. Stattdessen müssten wir Mitgefühl und Kampfbereitschaft für diejenigen entwickeln, die systematisch (sozial) unterdrückt, (wirtschaftlich) ausgebeutet und (ideologisch) geächtet werden. Diese Überwindung der separaten, seriellen Identität machte laut Eribon den Kernzusammenhalt der französischen Linken aus: So waren französische Arbeiter*innen und andere gesellschaftliche Gruppen zwar (auch) schon immer rassistisch, sexistisch, homofeindlich. Sie wählten aber trotzdem links und behielten ihren Hass größtenteils für sich. Mit der neoliberalen Aufgabe des sozialen Kampfbegriffes wurde diese Allianz gesprengt. Die Pandora-Büchse von Vorurteilen, Eigenliebe und Abstiegsangst wurde geöffnet und der Weg frei gemacht für den Neofaschismus des FN: „Die entfremdete Weltanschauung (den Ausländern die Schuld geben) verdrängt den politischen Begriff (gegen die Herrschaft ankämpfen).“

Was er in Bezug auf die französische Linke beschreibt, hat globalere Implikationen. Ebenso wie der FN veranschaulicht die AfD die Konstitution eines Kollektivs, in dem es nur mehr um entfremdete Einzelinteressen geht. Eines Kollektivs, in dem einige Homosexuelle die AfD unterstützen und wählen, weil die sie vor islamistischem Terror und Geflüchteten schützen soll, und Teile des Kleinbürgertums und der ehemals organisierten Arbeiter*innenschaft hoffen, dass ihr radikal neoliberales Programm sie vor dem wirtschaftlichen Absturz bewahrt. Eines Kollektivs, das zwar von angry white men dominiert wird (wie die letzten Wahlstatistiken aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verdeutlichen), aber auch vermeintliche Widersprüche nicht nur aushält, sondern braucht. Weil es nicht auf der Herstellung von gesellschaftlicher und individueller Ganzheit, der Überwindung von Grenzen beruht, sondern auf Fragmentierung und Hass. Wenn dann eine lesbische Politikerin Privates privat sein lassen will und in ihrer Fremden- und Islamfeindlichkeit noch ein paar Homosexuelle mitreißt: umso besser.

Folglich ist das Aufschlussreichste an Weidels „Maischberger“-Auftritt ihre Forderung nach der Trennung von Privatem und Politik: „Familienpolitische Sprecherin werde ich bestimmt nie werden“, erläutert sie und will dann lieber über wirtschaftspolitische Themen reden, denn dafür sei sie ja da. Die promovierte Volkswirtin gibt an, Euro-Krise und Griechenlandkredite hätten sie im Gründungsjahr der AfD 2013 zur Politik gebracht. Ihre Position in Wirtschaftsfragen – sie fordert die Abschaffung des Euro und die Einführung der „D-Mark 2.0“ per Volksentscheid – wird oft als liberal bezeichnet. Dabei ist ihre Gesinnung durch und durch völkisch-national: Auf ihrer Facebook-Seite hetzt sie im Oktober: „Ganz Deutschland ist dank Angela Merkel zum kriminellen Hotspot geworden.“ Als Frau fürchtet sie sich, nicht mehr die letzte S-Bahn nehmen zu können. Und auf dem AfD-Parteitag warf sie der Bundesregierung die Aufgabe des Vaterlands durch eine unkontrollierte Massenmigration vor.

Weidel stammt aus Mittelschichtsverhältnissen, promovierte mit einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und arbeitete danach bei Goldman Sachs und Allianz Global Investors. Sie arbeitete sechs Jahre in China, bevor sie sich als Unternehmensberaterin selbstständig machte und an den Bodensee zog. Weiß und reich kann sie sich den Luxus leisten, ihre sexuelle Identität unproblematisch zu finden, ist privilegiert genug, sie ins „Private“ zu verbannen.

Solidarität als Überwindung von Einzelinteressen ergibt sich nicht automatisch aus der Zuschreibung einer Gruppenzugehörigkeit (etwa: Lesbe wählt [queer-]feministisch, oder zumindest liberal), sie muss immer wieder erkämpft, den eigenen Privilegien abgerungen werden. Sonst bleibt es bei neoliberaler Rhetorik, völkischem Fremdenhass und Weiblichkeitsabwehr. Sonst wird eine blonde große Unternehmensberaterin aus gutem Hause auf ihrem Weg vom Konrad-Adenauer-Stipendium zum Haus am Bodensee sich nie mit einer marginalisierten Community solidarisieren, deren Zugehörigkeit ihr voreilig unterstellt wird. Weil sie keine Gemeinsamkeit entwickeln will mit Queers of Colour, trans Personen, wirtschaftlich Abgehängten. Weil sie vergisst, welche solidarischen Kämpfe weltweit es ihr überhaupt erst ermöglichten, als Frau ihr eigenes Geld zu verdienen, ein politisches Amt zu bekleiden und straffrei homosexuell zu leben. So düster die Lage sich aktuell auch darstellt: Wir dürfen nicht vergessen, wie systematisch alle Menschen (wenn auch in entscheidend unterschiedlichem Maße) in letzter Konsequenz vom neoliberalen, rassistischen, antisemitischen und antifeministischen Programm der AfD entmenschlicht werden. Wir müssen Solidarität produzieren. Das solidarische Band ist brüchig, aber nicht obsolet.

Seidels „Maischberger“-Auftritt ist das Ergebnis eines Systems, in dem jeder Gedanke über, jeder Affekt hin zu Solidarität erstickt wird, in dem der immer auch emotionale und kollektive Gesamtzusammenhang zum Privat/politisch-Gegensatz entstellt wird, in dem ein Mensch die eigene Lebensentscheidung in ein Stammeln überführt: kein Triumph, kein Sieg. Und das wäre eigentlich todtraurig, wenn es nicht so gefährlich wäre.

 

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May 02 2017

09:55

Andorra in Brüssel

Von Amelia Umuhire

„Blinder als blind ist der Ängstliche“

Max Frisch

Brüssel, April 2017

Seit über einem Jahr sind in Brüssel die Anwesenheit von Soldaten und andere Inszenierungen des Ausnahmezustandes an öffentlichen Plätzen normal geworden. Im Bahnhof patrouillieren junge, hübsche Männer in gut sitzenden Uniformen leicht gelangweilt herum. Ihre großen Gewehre hängen lässig herunter und wenn ich sie so sehe, muss ich komischerweise an Magic Mike denken.

Vor dem Brüsseler Bahnhof. © Tine Fetz

Vor dem Bahnhof steht ein Militärlaster ohne Personal und ersichtlichen Grund herum. Und neben dem Laster, als Teil einer Werbeaktion und unglücklichen Pointe, ein Bus mit der Aufschrift „Safe Sex“, aus dem elektronische Musik dröhnt und Kondome verteilt werden.

Europäische Werte 2017.

Es ist Sonntag und ich bin auf dem Weg zu meiner Tante, die in einem kleinen Vorort lebt. Sie ist die Schwester meines Vaters und die einzige Überlebende in einer Familie mit sieben Kindern. Die anderen starben im Genozid an den Tutsi in Ruanda.

Im April 1994, vor 23 Jahren.

Als sie mich abholt, fahren wir als Allererstes zum Metzger. Es ist ungewöhnlich warm und sonnig und wir und gefühlt halb Belgien wollen heute grillen. Während sie beim Metzger eine Nummer zieht, warte ich im Auto und creme mich ein. Sie hatte, wie so oft, bereits in den ersten Minuten unseres Treffens meine trockenen Ellbogen betrauert.

Als sie sich wieder ins Auto setzt, reicht sie mir die Tüte mit dem kaltnassen Fleisch und erzählt mir, dass später ein paar Leute zum Grillen vorbeikommen werden.

Ein Freund meines Vaters wird auch dabei sein. Als er mich sieht, fragt er erstaunt, ob ich die Tochter meines Vaters sei, und ich frage mich, wie es sein muss, seinen Klassenkameraden 23 Jahre später in dem Körper einer jungen Frau wiederzuerkennen.

Später, als ich schon das erste Rosé-Glas hinter mir habe, erzählt er mir von ihrer gemeinsamen Zeit in einem Kolleg in Rwanda.

Währenddessen gibt mir meine Tante Anweisungen. Sie weiß um meine Kochfaulheit und gibt mir simple Aufträge. Schüssel waschen. Schere aus der zweiten Schublade holen, Petersilie schneiden.

Zwischendurch starre ich ihn an und versuche mir anhand dieses alten Mannes vorzustellen, wie der junge Mann aus seinen Erzählungen jetzt aussehen würde.

Am Abend fliege ich wieder zurück.

In der Schlange vor der Sicherheitskontrolle reihe ich mich instinktiv dort ein, wo weniger Familien stehen.

Neben mir, in der anderen Schlange, steht eine orthodoxe, jüdische Familie, in der die Kinder englisch und die Eltern niederländisch miteinander sprechen.

Vor ihnen stehen zwei muslimische Frauen mit Kinderwagen, die sich auf Französisch unterhalten. Als ich fast dran bin, reiht sich hinter mir eine weiße, belgische Frau mit ihrer Tochter ein.

Die Tochter trägt ein pinkes Oberteil und eine pinke Hose und erinnert mich an die Mädchen, die in der Grundschule die besten Diddl-Sammlungen besaßen.

Ihre Mutter ist braun gebrannt. Auch sie sprechen französisch.

Auf den Gesichtern aller Eltern ist die erschöpfte Zufriedenheit von Menschen, die mit Kindern reisen, zu erkennen.

Ich versuche mir vorzustellen, wie wir wohl damals in so einer Schlange aussahen. Eine androgyne, junge Schwarze Mutter und drei kleine Mädchen, die deutsch miteinander sprechen.

„Any laptops, tablets?“

Neben mir ist die orthodoxe Familie dabei, ihr Gepäck zu sortieren.

In einer dieser routinierten Choreografien einer gut organisierten Familie wird dem älteren Jungen sein kleiner Bruder gereicht. „Pay attention, it’s a human“, sagt die Mutter und lacht dabei den Sicherheitsbeamten an, der sie ungeduldig durch den Metalldetektor winkt.

Ich bin nicht die Einzige, die die Familie aufmerksam beobachtet. Als die pinke, wallonische Prinzessin hinter mir den Jungen mit der Kippa und den Locken bemerkt, fragt sie ihre Mutter neugierig, ob der da ein Junge sei.

Die Mutter zögert nicht lang und antwortet voller Gewissheit:

„Nein, nein. Das da sind Extremisten.“

Reposted bySirenensang Sirenensang

May 01 2017

11:25

She Works Hard For The Money

Von Missy-Redaktion

Schlechte Arbeitsbedingungen schlagen meistens auf das Gemüt. © Shutterstock/fongleon356

Anna Mayrhauser, Redaktion
„Während des Studiums und davor habe ich in vielen unterschiedlichen (Neben-)Jobs gearbeitet, von ‚Essen auf Räder‘ ausliefern, über Glücksschweine verkaufen, bis hinter der Bar von Kulturvereinen stehen (Mackerkünstlergeschwätz inklusive, wobei besonders beliebt war, meine Zukunftspläne damit zu kommentieren, dass ich weder einen Studienabschluss brauche, noch nach Berlin gehen soll, wenn ich einmal so genial werden will wie sie). Sehr lange habe ich als Ausstellungsdienst in einem Museum für moderne Kunst gearbeitet (14-Stunden-Schicht neben einer Soundinstallation die in Dauerschleife ‚Heartbeats‘ von José Gonzáles spielte).

Aber davon war definitiv nichts das Schlimmste. Die entwürdigten und unangenehmsten Situationen meiner Berufslaufbahn fanden eigentlich alle in Praktika statt. Im Journalismus (zumindest in meiner Altersgruppe) hat es sich eingebürgert, sobald man sich mal halbwegs etabliert hat, nicht mehr darüber zu sprechen, was man alles getan hat, um in diesem Job arbeiten zu können, und zu behaupten, man wäre so zufällig in dem Job gelandet, als wäre man ein*e ganz lässige Hunter-S.-Thompson-Reporter*in. 125 Praktika und das Journalismus-/Medienwissenschafts-/Kommunikationswissenschaftsstudium werden dann gerne verschwiegen. Vielleicht liegt das an den Praktika-Abschlussgesprächen und Mittagessen mit erfahrenen Redakteur*innen, die permanent sagen, dass ein Journalismusstudium nix bringt, man sich einen anderen Job suchen solle, auch wenn man gut wäre und eine*n da draußen sowieso keine*r brauchen würde und vor 30 Jahren alles noch viel besser war.

Ich habe mir auf jeden Fall geschworen, so etwas niemals zu Praktikant*innen zu sagen.“

Emily Klamm, Marketing
„Ich habe schon einige Jobs gemacht, die schlecht bezahlt (6 Euro brutto!) waren und/oder auch einfach ekelig (Kakerlaken in einer Restaurantküche in der Hamburger Innenstadt). Aber ich kann das nie als den ’schlimmsten‘ Job bezeichnen, denn ich habe dann gekündigt. Und für Geld habe ich damals (fast) alles gemacht.
Mein härtester Job und schwerster Weg war meine Berufsausbildung in einer klassischen Werbeagentur Anfang der 2000er. Das kann bisher nichts an Schikane, grenzwertiger Kommunikation und Unprofessionalität toppen. Dass ich das nicht abgebrochen habe, nicht aufgegeben habe, ist ein Wunder!

Es gibt zwei Situationen, die mich in der Lehre sehr geprägt haben und hart gemacht haben. Stichwort Demütigung: Mein Chefin hat mich kurz vor meiner Abschlussprüfung zu sich ins Büro gerufen und mir eine Stunde lang eingeredet, dass ich die IHK-Prüfung eh nicht schaffen werde, weil ich zu dumm sei.  Sie hat mich zum Weinen gebracht! Ich solle die aktuelle Lehre abbrechen, um eine neue Ausbildung bei ihr im Betrieb zu beginnen. Ihr Ziel? Ganz klar: Sie hätte dann eine billige Arbeitskraft für weitere drei Jahre. Dass ich nicht eingeknickt bin, macht mich bis heute stolz.

Und Stichwort Schikane: Meine Chefin kam mit einem Angebot in der Hand zu uns, machte mich zur ‚Sau‘ vor dem Team, wie man so ein schlechtes Angebot schreiben könne. Ob ich überhaupt Ahnung hätte? Und so weiter. Als sich herausstellte, dass eine Kollegin das Angebot geschrieben hatte und nicht ich, meinte die Chefin nur: ‚Ah ok. Es ist eigentlich ganz okay.‘ Die Kollegin wurde dann auch noch für das gut zusammengestellte Angebot gelobt. Ohne Worte.

Eine Berufsausbildung ist das härteste, aber beste, was ich für mein Berufsleben gemacht habe.“

Hengameh Yaghoobifarah, Redaktion
„Meine schlimmsten Jobs?
1. Sorgearbeit für Kinder einer ökospießigen weißen Familie in Freiburg, Gaslighting durch Chefin inklusive
2. Für einen Witzlohn in einem Geschenkartikelladen in der Provinz arbeiten, Fat-Shaming und Körperkommentare jeglicher Art sowie orientalistische Projektionen auf mein Privatleben als Trinkgeld
3. Für 30 Euro Mensakartenguthaben fürs Studierendenwerk modeln und für immer drauf angesprochen werden, ob ich nicht die Person mit dem Strohhut bin, die auf der Homepage erscheint, wenn eine*r nach dem Mensaessensplan schauen möchte, sozialer Selbstmord quasi.“

Sônia Kewan, Praktikantin in der Redaktion
„Bierzapfen in der Fußball-Fankurve: verschüttetes Bier und sexistische Sprüche, eingehüllt in einer Pommes-Wurst-Wolke.“

Sonja Eismann, Redaktion
„Kurz nach Beendigung meines schöngeistigen Studiums waren schon einige Monate slackend ins Land gegangen, als ein Telefongespräch mit meinem Vater mich auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Die elterliche Versorgungslinie, so die mahnenden Worte, sollte nun endgültig gekappt werden. Von jetzt an war ich also finanziell auf mich gestellt. Schluck. Ich tat nun das, was ich während des Studiums dank der Unterstützung meiner Eltern nie hatte machen müssen, und durchforstete alle Studijobbörsen, die ich finden konnte. Recht schnell sah ich ein Angebot, das mir als Fan elektronischer Musik und Möchtegernjournalistin überraschend attraktiv erschien: Content Management und Pressearbeit für ein Technolabel. Dass der Chefin beim Vorstellungsgespräch mein Wohnort als größtes Plus erschien (‚wir hatten schon welche vom anderen Ende der Stadt, aber denen war der Weg hierher irgendwann immer zu weit‘), machte mich ein wenig stutzig. Aber nur kurz, denn hey, ich wollte den Job. Der Anfahrtsweg entpuppte sich dabei als das kleinste Problem – das aber auch schon immens war. Jeden Morgen ächzte ich mit einem uralten, verrosteten Fahrrad einen Berg mit einer Steigung von gefühlt 150 Prozent hinauf, denn die Technofirma hatte ihren Sitz in einem kleinen Anbau einer ultraschicken Designervilla in bevorzugter Hanglage. Das ‚Technoehepaar‘, das das Label leitete, bestand aus einem Architekten und einer PR-Frau, die sich beide in Wirklichkeit überhaupt nicht für Techno interessierten. Der Ehemann hatte in den frühern 1990ern in spektakulären Locations kommerzielle Technoraves veranstaltet und gemerkt, dass damit viel Geld zu verdienen war. Seitdem veröffentlichte er Trashtechnocompilations, die immer weniger Leute interessierten und die seine Ehefrau aggressiv zu vermarkten versuchte. So musste ich, die ich selbst gerade erste Versuche im Musikjournalismus machte, irgendwelche unsympathischen Journalistentypen telefonisch anbetteln, zu unseren Releasepartys zu kommen oder die Compilations zu besprechen, nur um mir ihre herablassenden Kommentare bzw. Abfuhren dazu anzuhören. Das Schlimmste war aber, dass wir (vertragslosen) Mitarbeiter*innen, immer in Sichtweite der offensichtlich sündteuren Designhütte, für einen Hungerlohn ein Maximum an Arbeit leisten sollten (für ein ‚Produkt‘, das ganz offensichtlich von niemandem geliebt wurde, in- und außerhalb des Hauses). Als mich die Chefin eines Tages zwang, die krank im Bett liegende Webdesignerin per Telefon zum Arbeiten aufzufordern, hatte ich genug und kündigte. Denn zwischenzeitlich hatte mich eine in die Politik gewechselte Freundin einer Freundin überzeugt, ihr kurzfristig bei ihrer Wahlkampagne zu helfen – was mir so gut gefiel, dass ich vor Schreck gleich eine Gürtelrose bekam. Aber das ist eine andere Geschichte.“

Valerie-Siba Rousparast, Redaktion
„1. In einem Start-up als Kundenberaterin an der Strippe hängen, unfreiwillig unbezahlte Überstunden machen, denn ‚wir sind eine Familie‘, neidisch die veganen Salatkreationen der anderen beim ‚Lunch‘ und die Morning-Yoga-Stunde im Büro beobachten, weil die mit meinem Gehalt nicht finanzierbar waren.
2. In einem ‚Luxus-Kino‘ uniformiert die abwertenden Kommentare von Leuten anhören müssen, die mit dem SUV ins Kino fahren, um sich zu beweisen, wie viel reicher sie sind als alle anderen.
3. Für einen einsamen Übersetzer Buchhaltung und den Wohnungsputz übernehmen. In der Ahnung, dass er eigentlich nur Gesellschaft möchte und lieber mit mir frühstücken geht.“

Vina Yun, Redaktion
„Von Babysitten bis zur Projektleitung habe ich so ziemlich alle möglichen und unmöglichen Arbeiten gemacht, die man sich vorstellen kann. An ein paar üble Jobs kann ich mich besonders gut erinnern: Als Studentin habe ich einmal Mini-Donuts in einem eher tristen Einkaufszentrum verkauft. Das süße Gebäck wurde in einer Maschine frisch vor den Augen der Käufer*innen herausgebacken. Am Ende eines Arbeitstages, der schon mal zehn Stunden dauerte (exklusive Wegzeiten – und sehr oft liegen ja größere Einkaufszentren am Stadtrand), roch ich wie ein Kübel altes Frittierfett.

Dufte war auch der Job an einer Kinokasse. Ich hatte ständig den penetranten Geruch von extra-buttrigem Popcorn in der Nase, ich kann das Zeug bis heute nicht sehen. Schlimm war, wie unsolidarisch sich die Arbeitskolleginnen – allesamt Frauen – verhielten: Die, die schon länger dabei waren, schnappten sich zu Monatsanfang gleich mal alle Sonntags- und Feiertagsdienste, wegen der Zulagen. Die Dienste, die übrig blieben, durften sich die Neuen untereinander aufteilen. Wir mussten also mehr arbeiten, um auf denselben Lohn zu kommen.

Noch beschissener bezahlt und langweiliger als die erwähnten Jobs war die Arbeit in einer Garderobe in einem großen, modernen Tanz- und Performancetheater. Manchmal machte ich auch den Einlass und riss die Tickets ab – da zeigen die Besucher*innen noch ein kleines bisschen Respekt –, aber als Garderobenfrau bist du so ziemlich das Letzte (neben dem Putzpersonal). Das elitäre Publikum fand ich viel schlimmer als die nächtlichen – und auch nicht immer sehr angenehmen – Partygeher*innen, denen ich begegnet bin, als ich über Jahre hinweg die Kasse für diverse Clubs gemacht habe.

Die Arbeitszeit wurde bis eine halbe Stunde nach Veranstaltungsende gerechnet, blieb ein Mantel übrig, mussten wir den*die Besitzer*in selbst suchen. Blöderweise befindet sich das Theater in einem großen Veranstaltungskomplex, mit Bars und Cafés, da konnte es schon dauern, bis man die Person ausfindig gemacht hatte (die es natürlich ganz selbstverständlich fand, dass man ihr das Scheißding nachträgt). Während drinnen die Performance lief, durften wir draußen weder lesen, essen oder sonst etwas tun, das die Wartezeit angenehmer gemacht hätte. Bad memories! Bis heute gebe ich Leuten, die an der Garderobe arbeiten, gerne und großzügig Trinkgeld.“

April 28 2017

12:11

Der WTF-Moment

Von Liz Weidinger

In einem Interview von 2013 erzählt Octo Octa stolz, dass sie sich als Produzentin elektronischer Musik das erste Mal so richtig ernst genommen fühlte, als ihr großes Vorbild Terre Thaemlitz aka DJ Sprinkles einen Edit ihres Tracks anfertigte. Denn in „seriösen“ Musikkreisen wurde Octo Octas Labelheimat, das von Amanda Brown gegründete 100% Silk aus Los Angeles, schon mal gerne belächelt.

© Jef McMahan

Heute ist das anders. Fast selbstverständlich führt Octo Octa anlässlich ihres neuen, zweiten Albums „Where Are We Going?“ bei Electronic Beats ein ausführliches Gespräch mit Thaemlitz. Resident Advisor gibt der Platte 4,1 von 5 Punkten und kritisiert, dass es sich gegen Ende zu sehr wie das Meilensteinalbum „Midtown 120 Blues“ von DJ Sprinkles anhört. Die Nerds beim Onlinemagazin „Das Filter“ finden es klassisch und clean produziert: Es sei ein Album, das die gesamten House-Requisiten durchexerziert. Okay, dass es dieses lange und lesenswerte Gespräch zum Album gibt, mag auch damit zusammenhängen, dass die neue Platte die erste ganz offizielle von Octo Octa als trans Frau ist – und Terre Thaemlitz eine Institution, wenn es um das Nachdenken über Queer- und Transsein, House und Underground geht.

 

Im Gespräch mit Thaemlitz sagt Octo Octa alias Maya Bouldry-Morrison: „Es hat ewig gedauert, bis ich die neue Platte fertig hatte, weil ich es mag, wenn die Tracks zusammenpassen. Das Album sollte eine offen queere Message haben und eine Erzählung, die es zusammenhält.“ Klar erkennbar ist diese Message auch auf dem Albumcoverfoto mit einer verträumt posenden Bouldry-Morrison und in Tracktiteln wie „No More Pain (Promises To A Younger Self)“ oder „Move On (Let Go) (De-Stress Mix)“.

Octo Octa „Where Are We Going?“
(Honey Soundsystem Records / Above Board), bereits ersch.

Vocals gibt es auf dem Album neben gesampelten und nach Mariah Carey klingenden „Aaahhhs“ über fünf Oktaven auf „No More Pain“ nur im Abschlusstrack. Da heißt es immer und immer wieder: „Do you feel better? Are you going to feel better?“ Es sei diese Frage gewesen, die ihr seit dem Coming-out als trans Person am häufigsten gestellt worden sei, so Octo Octa. Die Antwort darauf fällt genauso aus wie die Stimmung der Platte: happy, wenngleich mit einem gewissen Unbehagen. Klar gehe es ihr persönlich besser – aber es gebe immer noch genügend gesellschaftliche WTF-Momente.

April 27 2017

17:25

May Ayims Geburtstagssause

Interview von Sônia Kewan

Sie ist Inspirationsquelle und Vorbild für viele afrodeutsche Aktivist*innen. May Ayim würde nächste Woche ihren 57. Geburtstag feiern. Die akademische Aktivistin Natasha A. Kelly nimmt diesen Tag zum Anlass, um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von afrodeutschen Frauen kunstvoll zu thematisieren.

Natasha A. Kelly und die Sisters bei der Buchpremiere von „Sisters and Souls“ 2016. @ Pierre Gaulke

Anlässlich des Geburtstags von May Ayim findet am 03. Mai die Performance „M(a)y Sister“ im HAU statt. Was erwartet die Besucher*innen?
Natasha A. Kelly: Um diese Frage zu beantworten, muss ich einen Schritt zurück machen. 2015 gab ich das Buch „Sisters and Souls. Inspirationen von May Ayim“ heraus. Das Buch entstand in Andenken an die afrodeutsche Wissenschaftlerin, Aktivistin und Poetin May Ayim, deren zwanzigster Todestag im August 2016 war. Mit der Person May Ayim und ihrem Werk beschäftigte ich mich bereits in meinen wissenschaftlichen Arbeiten sowie in meinen Seminaren. Ein Buch rund um ihr Schaffen herauszugeben, war also eine besonders spannende Aufgabe für mich. Die Buchpremiere fand dann im HAU statt. Die Präsentation war ein voller Erfolg. Danach folgten zahlreiche Lesungen gemeinsam mit verschiedenen Autor*innen. Aus diesem Grund wollen wir von Sisters and Souls dieses Jahr den Geburtstag von May Ayim im HAU feiern und das Erbe, das sie uns hinterlassen hat, zelebrieren.

Am ersten Abend thematisieren Autor*innen von Sisters and Souls in verschiedenen Kunstformen sowie im Dialog Fragen zur Schwarzen feministischen Identität. May Ayim war, neben Katharina Oguntoye, eine der ersten Schwarzen Deutschen, die das Wort „afrodeutsch“ überhaupt geprägt hat und so die zweite Welle der afrodeutschen Bewegung maßgebend beeinflusst hat. Am zweiten Abend setzen wir wieder dort an und sprechen über unsere Zukunftsvisionen. Fragen wie etwa „Wo wollen wir als Afrodeutsche hin?“ und „Wie können wir unsere Ziele politisch realisieren?“ werden diskutiert sowie künstlerisch umgesetzt.

„M(a)y Sister 1+2“ finden am 03. und 05. Mai 2017 jeweils um 20 Uhr im HAU3 statt. Zum detaillierten Programm geht es hier.

Wer sind Sisters and Souls?
Sisters and Souls sind 25 Schwarze Frauen verschiedener Generationen und Zugehörigkeiten, die sich mit May Ayim auseinandersetzen. Die einen kannten May persönlich. Die anderen kennen vor allem ihre Gedichte oder beziehen sich direkt auf ihr Buch „Farbe bekennen“. In der Textsammlung „Sisters and Souls. Inspirationen von May Ayim“ beschreiben sie ihren Zugang zu May Ayim, ihrem Werk sowie die neuen Projekte, die daraus entstanden sind.

Ist May Ayims Werk und Engagement heute für Schwarze Frauen in Deutschland noch aktuell?
Ja! Ich glaube, May Ayim steht stellvertretend für uns alle. Sowohl für Schwarze Frauen wie auch für die afrodeutsche Community insgesamt. Sie war Mitbegründerin dieser Community und war selbst auch stark in der Frauenbewegung aktiv. Ihre Texte bieten vor allem jungen afrodeutschen Frauen einen Zugang zu einer selbstbestimmten Identität. Aus diesem Grund performen zu ihrem Geburtstag im HAU auch bewusst nur Schwarze Frauen – musikalisch unterstützt werden wir dieses Jahr zusätzlich von einem Bruder, einem grandiosen Didgeridoo-Spieler.

An diesen Abenden geht es darum, Synergien zu schaffen, einen künstlerischen Raum für diese Thematik zu öffnen und sich gegenseitig zu empowern. Alle Frauen, die im HAU auftreten werden, identifizieren sich in irgendeiner Form mit May Ayims Leben, ihren Texten und ihrem Engagement. Deshalb denke ich, dass May Ayim eine konstante Referenz und Inspirationsquelle für viele afrodeutsche Frauen ist – heute wie auch in Zukunft. Trotzdem möchte ich betonen, dass nicht ausschließlich May Ayim als Person im Mittelpunkt der Abende stehen soll, sondern das, was sie repräsentiert. Und das lässt sich im Beitrag jeder einzelner Sister wiederfinden.

Übrigens geht auch der Veranstaltungstitel „M(a)y Sister“ auf das Gedicht der jungen Schwester Janine Fuentes zurück. Darin schreibt sie von der Gewissheit, nicht alleine dazustehen, die ihr Ayims Gedichte verleihen. In diesem Sinne stehen wir an beiden Abenden in Sisterhood und als Community zusammen!

Natasha A. Kelly bedankt sich an dieser Stelle beim Orlanda Verlag, bei dem ihr Buch erschienen ist, dem HAU sowie allen Sisters and Souls für ihr Engagement.

Natasha A. Kelly ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin und lebt in Berlin. Sie arbeitet in verschiedenen Bereichen zu den Themen Postkolonialismus und Feminismus/Intersektionalität. 2015 gab sie das Buch „Sisters and Souls. Inspirationen von May Ayim“ heraus.

May Ayim ist am 03. Mai 1960 in Hamburg geboren. Als afrodeutsche Feministin, Wissenschaftlerin und Poetin war sie stark in der zweiten Welle der afrodeutschen Bewegung aktiv und legte mit ihrem Buch „Farbe bekennen“ 1986 den Grundstein für diese Bewegung.

09:30

Autorin in Arbeit

Von Olja Alvir

Bei mir musste es ja ganz klischeehaft ein nie da gewesener Tiefstpunkt sein, „rock bottom“ sozusagen, bis ich ernsthaft darüber nachdachte, mein Leben von Grund auf umzukrempeln. Dass ich krank bin, war mir schon länger klar, auch hatte ich mehr oder weniger erfolgreiche Versuche angestellt, mich behandeln zu lassen – doch langfristig hatte nichts geholfen.

„Was tut mir eigentlich gut?“ © Tine Fetz

Vor einiger Zeit „outete“ ich mich in dieser Kolumne als Person mit einer psychischen Erkrankung. Ich bekam sehr viele schöne Nachrichten von Menschen, denen es ähnlich ging, und viele freundliche Worte von Unterstützer*innen. Es war ein Befreiungsschlag.

Heute möchte ich in meiner letzten Missy-Kolumne ein paar Einsichten teilen, die ich in letzter Zeit zum Thema „mental health“ hatte – in der Hoffnung, dass sie anderen vielleicht hier und da helfen oder in die richtige Richtung stupsen. Schließlich geht es mir nun besser, und das zu einem nicht unbeachtlichen Teil wegen Texten, die andere, die mit mental health kämpfen, ins Internet getippt, geschwitzt und gefiebert haben. Mir ist bewusst, dass diese Liste nicht für alle Menschen sinnvolle und angemessene Vorschläge beinhaltet. Es ist eine subjektive Sammlung an Dingen, die mir geholfen haben – vielleicht ist etwas für dich dabei, vielleicht nicht.

Als Erstes muss ich konsequenterweise gleich mal dazu aufrufen, dieses Fenster zu schließen und den Computer abzudrehen. Wenn du so wie ich bist oder wie viele andere Menschen mit psychischen Schmerzen, dann ist es jetzt schätzungsweise zwei Uhr vierundneunzig in der Früh und du solltest schon lange im Bett sein. Ohne Scheiß: Schlaf ist das Allerallerallerallerwichtigste. Jedes Mal, wenn es mir psychisch schlecht ging, war (auch von professioneller Seite her) der erste Schritt zur Genesung, wieder in einen erholsamen, lang genugen und vor allem auch in der Nacht situierten (!) Schlaf zu finden.

Ich kann das gar nicht so oft unterstreichen, wie es wichtig ist: Alle Menschen – und ganz besonders jene mit psychischen Problemen – können nur von einem regelmäßigen Schlafrhythmus profitieren. Gedankenkreise, Obsessionen, Angstzustände – sie alle ermüden das Gehirn, und das müde Gehirn kann sich dann erst wieder schwerer gegen diese Form von Mustern wehren. Es passiert wirklich sehr viel Verarbeitung und Regeneration im Schlaf und schon nach ein paar Tagen regelmäßigem erholsamen Schlaf fühlt eins sich besser. Nicht umsonst ist Schlafentzug eine Foltermethode! Sich Schlaf zu verwehren ist – und das ist keine Wertung, sondern ein Ausdruck dessen, wie ernst ich das meine – selbstverletzendes Verhalten.

Als Nächstes – und das war besonders für mich ein revolutionärer Gedanke – sollte eins sich die Frage stellen: „Was tut mir eigentlich gut?“ Das lernt man ja nirgends, verdammt! Was zur Hölle, von all diesen Dingen, die ich täglich, wöchentlich, monatlich mache, tut mir wirklich gut, und ist nicht nur etwas, was ich aus Gewohnheit oder von sozialen Konventionen her mache? Ich jedenfalls habe mir tatsächlich erst mit 26 Jahren zum ersten Mal ernsthaft diese Frage gestellt. Ist ja gesellschaftlich auch nicht gewollt – wir lernen von klein auf, dass wir viel einstecken werden müssen, uns viel anpassen werden müssen. Nie – in der Schule nicht, in der Arbeitswelt sowieso nicht – lernt eins, die eigenen Bedürfnisse zu isolieren und zu identifizieren.

Am besten bringt eins sich nach dieser Inspektion bewusst dazu, mindestens ein Mal pro Woche etwas zu tun – was auch immer es sei! –, von dem eins ganz, ganz, ganz sicher ist, dass es guttut. Sport, Musizieren, Kino, Museum, Spazieren, Malen, mit der einen lang nicht gesehenen Freundin treffen, Hunde aus dem Tierheim spazieren führen … Und genießt diese Dinge zeremoniell. Kleine Häppchen zwischendurch oder nebenbei wie Netflix gelten hier nicht. Es muss etwas sein, das aus dem Alltag heraussticht und ganz bewusst und nicht aus Langeweile gemacht wird, optimalerweise außerhalb von den eigenen vier Wänden.

Bei mir war es Schwimmen und Gesangsunterricht – die Beschäftigung mit dem eigenen Körper anstatt mit den eigenen kreisenden Gedanken stellte sich tatsächlich genauso heilsam heraus, wie blöde semispirituelle Ratgeber*innen immer beteuern. Sorry – ich wollte es auch kaum glauben. Weitere typische Erwachsenenratschläge, die ich für euch getestet habe, neben „Sport tut gut“ und „Schlaf ist wichtig“: Rucksäcke sind wirklich besser als Umhängetaschen und viel Wasser trinken ist insgesamt wichtig. Tja. Ich wollte es auch nicht wahrhaben.

Gutes Essen – im Sinne von, Essen, das dir guttut – zelebrieren, als wäre es Haubenküche. Was ist der beste Döner in deiner Stadt? Fahr extra hin. Oder vielleicht versuchst du ihn zu Hause nachzubauen? Nicht mehr im Gehen oder generell im Transit essen (sofern möglich).

Tiere: Anschauen, angreifen, über sie lernen. Fasziniert sein und ihre Unverfälschtheit genießen. Natur ehrfürchtig beobachten.

Hör auf, (so viel) Nachrichten zu lesen, sofern dein Job es erlaubt. Du verpasst wenig. Es ist immer noch Kapitalismus, Ausbeutung rult, Diskriminierung wird hochgefahren und alle Errungenschaften der letzten  Jahrzehnte werden Stück für Stück zurückgenommen. Befasse dich nicht obsessiv mit Tagespolitik und Parteihickhack – der Kampf, der jetzt ansteht, ist ohnehin global.

Und zu guter Letzt: Du musst bei all diesen Dingen jetzt ein bisschen strenger mit dir sein. Sag öfter Nein und mach weniger Kompromisse, wenn es um deine Bedürfnisse geht. Mache deine geistige wie physische Gesundheit, so gut es geht, zur Priorität Nummer 1. Hol dir (professionelle) Hilfe, wende dich an die Menschen, die dir Gutes tun. Lies Beth McColl und hör laut Sias „Alive“.

Ich war ziemlich wahrscheinlich schon oft ähnlich mut- und hoffnungslos, am Boden zerstört. Aber heute weiß ich: Es kann besser werden. Und, wenn mein Wort irgendetwas zählt: Versprochen.

Reposted by02mysoup-aa 02mysoup-aa

April 25 2017

09:01

Die Erzählerinnen

— Kaufen Sie den vollständigen Inhalt für 0.99 EUR —

Von Anna Mayrhauser Im Theaterstück „The Making-of“ der jungen Regisseurin Nora Abdel-Maksoud, das derzeit am Berliner Maxim Gorki Theater zu sehen ist, gibt es viele absurde Szenen. In einer verzweifelt eine junge Schauspielerin, die als Regisseurin und Drehbuchautorin durchstarten möchte, an der Film- und Fernsehbranche. Nachdem sie einst als Teenie-Star von einem Regisseur zu Sexszenen genötigt wurde, will sie nu…

April 24 2017

09:02

Alltag im Krieg

Von Nicole Karczmarzyk

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Wien. Die kleine Christine muss mit Mutter und Schwester nach einem Bombenangriff in eine Villa am Stadtrand fliehen. Dort verstecken sie den desertierten Vater und teilen sich das wenige Essen. Als Soldaten der Roten Armee in der Villa ihr Quartier einrichten, leben plötzlich kriegsmüde Sieger und Besiegte unter einem Dach.

Zita Gaier als Christine © W-film

Die unerschrockene Christl genießt das entstehende Chaos, denn die Neunjährige kennt kein Leben in Friedenszeiten. So wird durch die Augen des Mädchens ein unbefangenes Bild des Sommers 1945 gezeigt. Dem kindlichen Blick entgeht dabei aber nichts – weder ausgeführte Schießbefehle noch die Angst der jungen Frauen vor übergriffigen Soldaten. Schließlich findet Christine im Koch des russischen Trupps einen Freund. Denn der steht, wie Christine und ihre Familie, außerhalb der Soldatengemeinschaft und so deutet sich im Film leise an, dass in schweren Zeiten die Schwachen zusammenhalten müssen, egal wo sie herkommen.

Maikäfer, flieg! AT 2016. Regie: Mirjam Unger. Mit: Zita Gaier, Ursula Strauss, Gerald Votava, Heinz Marecek u. a., 109 Min., Start: 27.04.

Von Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten erzählt „Maikäfer, flieg!“, eine Filmadaption des gleichnamigen autobiografischen Kinder- und Jugendromans von Christine Nöstlinger. Der Film ist mit seiner brillanten Fotografie und seiner klaren Erzählweise eine Hommage an die österreichische Schriftstellerin. Zugleich ist er ein Manifest der Vorurteilslosigkeit, gerade in Krisenzeiten – und damit aktueller denn je.

April 21 2017

12:37

Perfektion, Piss Off!

Von Daniela Chmelik

Der Melancholie versprechende Titel „Das Alphabet der traurigen Frauen“ ist zugleich ernst und augenzwinkernd gemeint. Jeder der 26 Vierzeiler ist einem Frauennamen gewidmet. Manche Gedichte kommen etwas lahm rüber – so wie das Leben eben mitunter auch sein kann, mal geht das Metrum nicht auf, mal ist der Reim nicht astrein. Die Botschaft ist: Perfektion, piss off!

Mia Grau © Andree Weissert

Die lakonischen Texte thematisieren weibliche Selbstzerfleischung, Wirkungsbedürfnis, das Gefühl, immer ungerecht behandelt zu werden, auf unbestimmte Weise fehl zu sein. Sie beinhalten müßige Träume von einem besseren Ich, Zweifel, Selbstreflexion, Aggression. Inhalt und Form disharmonieren auf merkwürdige Weise und ergeben eine feine Ironie: „Céleste. Ach, Céleste – du verlässt das rauschende Fest. Und in der U-Bahn fragst du dich: ‚War ich heut peinlich oder nich’?'“ Oder: „Monika. Oh Monika – du trinkst gern Alkoholika. Du trinkst vor allem, wenn bekümmert, obschon das Trinken das verschlimmert.“

Mia Grau „Das Alphabet der traurigen Frauen“
Mit Illustrationen von Martin Fengel. Berlin Verlag, 64 S., 14 Euro

Wie wahr, wie wahr, denkt die Leserin da mit ertappt-zerknirscht-traurigem Schmunzeln. Die Autorin erfasst die Ambivalenz des Seins: heiter und trüb, schwarz und weiß. Mia Grau: gute Frau! Zum Humor Mia Graus passt ihre schmucke Kunstserie futur-nostalgischer Atomteller: blau-weißes Porzellanservice mit Bildern (nicht von Landschaft mit Mühle, sondern) von Atomkraftwerken. Bäm!

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