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February 20 2017

14:46

Videopremiere: Golden Diskó Ship

Von Missy-Redaktion

„PACIFIC TRASH VORTEX“ ist die erste Single aus dem neuen Album von Golden Diskó
Ship. Die Berliner Komponistin und Multiinstrumentalistin Theresa Stroetges dreht ihre Videos selbst, meistens voller bearbeiteter Naturaufnahmen und zufällig wirkender Bilder. Dieses Mal schnappte sie sich eine Handvoll ihrer Freund*innen, behängte sie mit Neonschnüren und ließ sie in einer leeren Fabrikhalle auf ihren schrägen, dancefloorkompatiblen Track lostanzen. Der Neunziger-Vibe mit Rave-Assoziationen kommt auf jeden Fall auch bei uns an.

Golden Diskó Ship und eine große Handvoll Plastik-Flamingos. © Jana SotzkoGolden Diskó Ship und eine große Handvoll Plastik-Flamingos. © Jana Sotzko

„Pacific Trash Vortex“ erscheint auf dem neuen Album „Imaginary Boys“ am 24. März.
Karlrecords (LP / DL)
Video: Golden Diskó Ship
Kamera: Brooke Trezise, Benjamin Augustin
Tänzer*innen: Best friends thank you so much!

13:58

Wake-up Call

Von Christina Mohr

Live-Platten sind oftmals verzichtbar: Hat man wirklich was davon, Jahre nach dem eigentlichen Event ein aus verschiedenen Gigs zusammengezimmertes Quasi-Best-of-Album plus austauschbarer Künstler*innen-Ansagen à la „You’re a great audience!“ anzuhören? Meistens nicht.

© Jason Williamson© Jason Williamson

Es sei denn, es handelt sich um das erste Live-Album von Sleater-Kinney, aufgenommen am 20. März 2015 im legendären Pariser Club La Cigale. Kurz zuvor hatten Carrie Brownstein, Corin Tucker und Janet Weiss ihre starke Comebackplatte „No Cities To Love“ herausgebracht, nach fast zehn Jahren Bandpause. Das allein war für Fans der US-amerikanischen Post-Riot-Grrrls schon überwältigend, die Aussicht auf Konzerte noch mehr – diese aufgekratzte, spannungsgeladene Stimmung bei Publikum und Band ist auf „Live In Paris“ in jeder Sekunde spürbar.

Sleater-Kinney starten mit „Price Tag“ – dass überwiegend Stücke von „No Cities To Love“ und „The Woods“, also aus der jüngeren Bandhistorie, zu hören sind, zeigt, dass die Band eben nicht nur von frühen Erfolgen zehrt. Das Trio ist auch anno 2015 hungrig, laut und voller Power, vom ersten bis zum letzten Ton. Wie immer ohne Bass, mit treibenden Gitarren (Carrie Brownstein und Tourmitglied Katie Harkin), superdruckvollem Schlagzeugspiel von Janet Weiss und natürlich Corin Tucker, die mit unvergleichlichem Vibrato in der Stimme singt und schreit – und vor allem etwas zu sagen hat: In Zeiten, in denen die USA von einem sexistischen, rassistischen Betrüger regiert werden, sind Zeilen wie „We win, we lose, only together do we break the rules“ („Surface Envy“) ein wichtiger, feministischer, aufrührerischer Weckruf.

Sleater-Kinney „Live In Paris“
(Sub Pop/Cargo Records)

Sleater-Kinneys unkaputtbare, wütende Punkrock-Energie überträgt sich auch in der Konserve. Man will Teil dieser so coolen wie wilden Grrrl-Gang sein oder auf die Straße gehen mit tausend anderen Fans und gegen die Verhältnisse anschreien – wie viel positive Kraft Musik haben und entfesseln kann, stellt „Live In Paris“ eindrucksvoll unter Beweis, selbst wenn man nicht dabei war an jenem Märzabend. Ach, und ein paar alte Riot-Hymnen sind doch drauf: Mit „Dig Me Out“ und „Modern Girl“ endet diese Platte, die man sofort noch mal auflegt. Verzichtbares Live-Album? Unverzichtbar!

February 17 2017

16:45

Berlinale: Endspurt mit Bruce LaBruce, Werwölfen und anderen Schätzen

Von Sophie Charlotte Rieger

Während die Berlinale für mich nun langsam zu Ende geht, fängt sie für das Festivalpublikum noch einmal so richtig an. Am Wochenende laufen zahlreiche Wiederholungen von Filmen aller Sektionen und am Sonntag, dem Berlinale-Publikumstag, sind auch die Tickets deutlich billiger. Aus diesem Anlass möchte ich zum Abschluss meines Berlinale-Tagebuchs noch eine Reihe interessanter und sehenswerter Filme vorstellen. Alle Zeiten und Kinos findet ihr hier.

 201719049_1 The Misandrists Panorama 2017 DEU 2017 von: Bruce LaBruce Olivia Kundisch, Susanne Sachsse, Viva Ruiz, Grete Gehrke © Jürgen Brüning Filmproduktion / J.Jackie Baier Schadet nie: feministische Selbstironie. Im neuen Film von Bruce LaBruce gibt es davon jede Menge. © Jürgen Brüning Filmproduktion / J. Jackie Baier

The Misandrists

Bruce LaBruce, bekannt als Ikone des queeren Pornos, präsentiert dieses Jahr in der Panorama-Sektion eine feministische Satire. Mit kleinem Budget erzählt er die Geschichte einer fundamentalistischen, lesbischen und feministischen Terrorzelle, die sich im Umland von Berlin auf die Weltherrschaft vorbereitet. Das ist genauso trashig, wie es klingt, und macht großen Spaß. Von den gestelzten und mit Fachbegriffen gespickten Dialogen sollte sich übrigens niemand abschrecken lassen. Aber Vorsicht: Es braucht definitiv eine gehörige Portion feministische Selbstironie, um mit „The Misandrists“ richtig Spaß zu haben. Aber die schadet ja ohnehin nicht!

201715091_4Patricia Clarkson und Bruno Ganz feiern eine Party. © Adventure Pictures Limited 2017

 The Party

Der Berlinale-Wettbewerb wurde auch in diesem Jahr von Filmen dominiert, die in der Regel nicht sonderlich stimmungshebend wirken. Umso erfrischender gestaltete sich Sally Potters komödiantisches Kammerspiel „The Party“ über eine – wie der Titel bereits andeutet – eskalierende Dinner-Runde. Die frisch gebackene Gesundheitsministerin Janet (Kristin Scott Thomas) lädt ihren Freund*innenkreis ein, um ihren beruflichen Erfolg zu zelebrieren. Leider reihen sich Hiobsbotschaften an Beziehungskrisen, so dass zum Feiern irgendwie keine Zeit bleibt. Mit herrlich bissigen Dialogen gehen sich die Protagonist*innen gegenseitig an die Gurgel und führen einander, jede*r ein wandelndes Stereotyp, gnadenlos vor. Die 71 Filmminuten sind viel zu schnell vorbei.

201715305_1Auf Schatzsuche. © Cine Ermitaño / Gerardo Barroso / Lisa Tillinger

Tesoros

Mein diesjähriger Lieblingsfilm der Sektion Generation ist der mexikanische Kinderfilm „Tesoros“ von María Novaro. Gemeinsam mit seinen Freund*innen macht sich hier der kleine Protagonist Dylan auf die Suche nach einem Piratenschatz. Die Geschichte spielt vor der Kulisse des tropischen Barra de Potosí und die pädagogisch wertvolle Moral von der Geschichte ist die Bedeutung der Natur. „Tesoros“, also Schätze, sind hier keine Goldstücke, sondern Tiere und Pflanzen, aber auch Freundschaft und familiärer Zusammenhalt. Das Besondere an diesem Film ist die Nähe zu den Kinderdarsteller*innen. „Tesoros“ wirkt, als habe Novaro viel mit Improvisation gearbeitet: Kindliche Logik dominiert die Narration und die Szenen wirken verspielt und ungemein authentisch.

201714036_1Emily Browning als Praktikantin Naomi. © Sean Price Williams

Golden Exits

Eine junge Praktikantin bringt gleich mehrere Beziehungen aus dem Gleichgewicht – das könnte der Stoff für eine ziemlich platte Beziehungskomödie sein. Aber Regisseur Alex Ross Perry nutzt die Erwartungshaltung seines Publikums lediglich, um sie zu enttäuschen. Vergeblich warten die Zuschauer*innen auf die so stereotype Eskalation, wenn endlich alle Geheimnisse ans Licht kommen, die Menschen auf der Leinwand schreien und sich dann heulend in die Arme fallen. Aber nix da! „Golden Exits“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Geschichte von Liebe, Beziehung und Sehnsucht ohne Klischees erzählt wird und sich ein Film nicht auf kulturelle Mythen von notgeilen Männern und hysterischen Ehefrauen verlässt, sondern komplexe Charaktere inszeniert. Es geht weniger spannend, weil weniger explosiv zu, dafür authentischer und berührender. An trüben Tagen sollte sich jedoch niemand diesen Film ansehen, denn auch das kitschige Happy Ending gehört zu den Klischees, die Axel Ross Perry mutig aussortiert.

201711313_7Regisseurin Ashley McKenzie. © Christopher Wahl

Werewolf

In blassen Bildern und großer Nähe zu ihre Figuren – im übertragenen, wie auch im technischen Sinne – verfilmt Ashley McKenzie eine Geschichte von Liebe und Sucht. Die extremen Close-ups, die uns statt eines umfassenden Blicks auf die Szenerie immer nur einzelne Elemente zeigen, geben Einblick in die Perspektive der Protagonist*innen, die sich orientierungs- und hilflos von der Welt verlassen fühlen. In anderen Momenten wiederum spiegeln die ungewöhnlichen Bilder, beispielsweise halbnahe Kameraeinstellungen mit angeschnittenen Gesichtern, den ignoranten Blick der Menschen auf die Filmheld*innen wider. Die beiden jungen Heroinabhängigen kämpfen vor allem darum, gesehen zu werden – von potenziellen Unterstützer*innen, aber durchaus auch voneinander. „Werewolf“ ist kein klassisches Drogendrama, sondern eher eine kleine, zärtliche Coming-of-Age-Geschichte über eine junge Frau, die sich gleich doppelt emanzipieren muss: von einer Droge und von ihrem süchtigen Partner.

 Sophie Charlotte Rieger arbeitet als freie Filmkritikerin und Journalistin. Auf ihrem Blog „Filmlöwin“ widmet sie sich ganz dem feministischen Blick auf Film. Dieses Jahr ist sie für uns auf der Berlinale unterwegs und führt ein Festivaltagebuch.

Mit diesen letzten Filmtipps für das Berlinale-Wochenende verabschiede ich mich vom diesjährigen Festivaltagebuch und wünsche allen Lesenden viel Spaß im Kino. Wer sich ausführlicher über die einzelnen Filme aus meinen Berlinale-Tagebüchern informieren möchte, kann übrigens auf meinem Blog „filmloewin.de“ Langkritiken zu fast allen von mir im Laufe des Festivals vorgestellten Filmen nachlesen.

10:46

Lena Dunham trifft auf Anke Engelke

Von Amelia Umuhire

Kennt ihr schon „Der Wedding kommt“? Die Serie, unter der Regie von Isabel Braak und mit den talentierten Banafshe Hourmazdi, Linda Marlen Runge und Sina Tkotsch in den Hauptrollen, kann als eine Kreuzung zwischen „Girls“ und „Ladykracher“ beschrieben werden. In den sechs kurzen, sketchartigen Folgen stehen von tauber Muschi bis zu modernen Beziehungen unterschiedliche Themen im Mittelpunkt, vor allem aber die Freundinnenschaft zwischen Mia, Roxy und Luisa.

Banafshe Hourmazdi, Linda Marlen Runge und Sina Tkotsch als Mia, Roxy und © Jerry Ködding / UFA LABBanafshe Hourmazdi, Linda Marlen Runge und Sina Tkotsch als Mia, Roxy und Luisa. © Jerry Ködding / UFA LAB

Ich habe Isabel Braak und Banafshe Hourmazdi in einem Weddinger Café getroffen und wir sprachen übers Filmemachen, rassistische Rollenangebote und männliche Egos am Filmset.

Wie kam die Serie zustande?
Isabel: Der Ansatz war, dass es in Deutschland keine richtige Frauenserie gibt, also wenn, dann sind das Serien, in denen es nur um Männer geht, und das Frauenbild ist oft ein bisschen problematisch. Wir wollten einfach ein Gegenformat entwickeln. Das war die Grundidee und dann haben wir gecastet und dann waren auch schon die drei Mädels dabei. Es ging alles wahnsinnig schnell.

Du hast davor einen Fernsehspielfilm gemacht: „Plötzlich Türke“, inwiefern bist du jetzt anders an das Format Webserie gegangen und was waren die Herausforderungen des Formats?
Isabel: Die Herausforderung war auf jeden Fall die Zeit. Bei Fernsehfilmen oder Kinofilmen hat man bis zu zwei Jahre Zeit und hier haben wir die Serie in 3 bis 6 Wochen entwickelt und gedreht. Wir haben die gesamte Serie, also die sechs Folgen, in vier Tagen gedreht. Das läuft viel improvisierter, was Vorteile hat, man ist freier, flexibler, hat aber auch Nachteile, weil es manchmal ein bisschen chaotisch werden kann.

Das Team bestand hauptsächlich aus Frauen. Merkt ihr einen Unterschied zwischen einem männlich dominierten Team und einem weiblich dominierten Film?
Banafshe: Ich fand es erst mal voll cool, bei einem Casting anzukommen, wo nur Frauen sind. Nicht ein einziger Mann im Raum und das hat dazu geführt, dass man direkt eine Chemie aufgebaut hat. Manchmal, wenn man mit Männern auf einem Casting ist, ist immer so ein „Sich-beweisen-Müssen“ im Raum. So junge, männliche Schauspieler wollen dann schon in den fünf Minuten alles raushauen, was sie draufhaben, und das war hier halt gar nicht.
Isabel: Ich komm ja von der Filmhochschule und ich war in einem Jahrgang von sechs Regiestudierenden die einzige Frau und da war auch erst mal so ein Rivalitätenkampf, den ich beobachtet habe. Und hier war es so, dass wir zum Beispiel mit den Autorinnen und den anderen Frauen im Team viele hitzige Diskussionen hatten und das produktiv war, weil wir alle eine starke Meinung hatten, aber produktiv und professionell diskutiert haben und uns geeinigt haben. 

Banafshe, was fandest du an Mia interessant? Habt ihr viele Gemeinsamkeiten?
Banafshe: Beim ersten Mal Lesen dachte ich schon, das passt ganz gut auf mich und dann habe ich von der Drehbuchautorin Valentina gehört, dass sie mich tatsächlich auch für die Rolle vorgeschlagen hat. Was ich so spannend an ihr finde, ist, dass sie so wie ich auch versucht, sich nach außen stark zu zeigen. Es passiert halt recht oft, dass man zum Beispiel in der U-Bahn angerempelt wird und dann schubst man zurück oder wenn jemand was Beleidigenes sagt, gleich kontert, aber das heißt ja nicht, dass es eine*n nicht trifft. So rassistische Sprüche kriege ich bestimmt 1 bis 10 Mal am Tag.

Echt?
Banafshe: Ja schon. Aber auch von Leuten, die ich kenne, „so aus Spaß“. So etwas wie „du kleine Araberin“ oder jetzt auch Witze darüber, dass ich jetzt nicht mehr in die USA einreisen darf. Und so etwas trifft mich ja schon. Selbst dieses gut gemeinte „Wo kommst du her?“, das nervt einfach irgendwann. Ich bin jetzt bald 27 und habe das Gefühl, dass ich mich immer noch so oft für meine Existenz erklären oder rechtfertigen muss. Und dann hab ich auch keinen Bock mehr und das lässt eine*n nach außen hart erscheinen, aber innen tut es dann doch weh.
Wie in der Liebesgeschichte, die wir erzählen. Ich kenne zum Beispiel nicht mehr viele Leute, die sich einfach verlieben und sagen, ja lass uns eine Beziehung führen, das ist ernst und dann ist man aber doch traurig, wenn die Person jemand anderen fickt. Oh Gott, hab ich jetzt ficken gesagt.

Wie weit sind die Rollen, die du angeboten bekommst, von den Rollen entfernt, die du gerne spielen würdest?
Banafshe: Bei Film und Fernsehen werden mir auf jeden Fall oft Rollen angeboten wie die geflüchtete Frau, ein bisschen liegt es auch daran, dass das ja gerade Konjunktur hat. Im Theater ist das nicht so. Das Theater ist da komischerweise schon weiter, obwohl es ähnliche Repräsentationsprobleme hat. Ich kriege aber auch nicht nur solche Angebote und glaube, dass sich das ändern wird. Jetzt hab ich schließlich in der Serie zum Beispiel nicht gebrochen Deutsch sprechen müssen. (lacht)

0b43204a7c80e8c9e6319b7650f49e6b KopieDer Wedding kommt
Regie: Isabel Braak
Mit: Banafshe Hourmazdi, Linda Marlen Runge und Sina Tkotsch
Erste Staffel läuft auf Funk.net.

Was sind die Herausforderungen für dich als Regisseurin und als Frau in der Filmindustrie?
Isabel: Ich glaube, die größte Herausforderung für Frauen und Männer ist, das Ego runterzuschrauben. Als Regisseur*in bist du ja erst mal dafür verantwortlich, das beste Team zusammenzustellen. Klar kann man auch überall reinreden, aber ich glaube, dass man Leuten die Freiheit geben muss, sich in ihrem Bereich auszuleben. Und als Frau ist es halt immer noch so, dass in manchen Bereichen, z.B. „Tatort“, Krimis, beim Fernsehen allgemein, die Jobs hauptsächlich an Männer vergeben werden. Die Herausforderung ist dann für mich als Frau, mich durchzusetzen, ohne aber wieder den Stempel der aggressiven Kampfemanze aufgedrückt zu kriegen. Aber ich merke auch, dass sich was in der Branche verbessert.

Was steht bei euch als Nächstes an?
Banafshe: Ich spiele in den Sophiensaelen bei einem Theaterstück namens „Meine Nase läuft. Deine Stars hautnah“ und es geht um viele lustige Faschisten und Faschistinnen, die blutig verenden. Es wird am 03., 04. und 05. März in den Sophiensälen aufgeführt.
Isabel: Ich arbeite gerade an einem Kinofilm. Der Arbeitstitel lautet “ Wenn Frauen Männern die Tür aufhalten“ und es geht um verweichlichte Männer und harte Frauen, aber es ist auch eine Liebesgeschichte und eine Komödie. Ansonsten können wir auch schon sagen, dass es sehr wahrscheinlich eine zweite Staffel geben wird.

February 16 2017

10:40

Berlinale: Die Favoritinnen

Von Sophie Charlotte Rieger

In meinem ersten Berlinale-Tagebuch stellte ich die These auf, dass der diesjährige Festivaldurchgang ein besonders starker werden könnte. Schon jetzt – und es fehlen noch einige Tage und vor allem einige Filme – ist diese Vermutung Gewissheit. In nunmehr fünf Jahren Berlinale-Berichterstattung hatte ich noch nie derartig viele Favoritinnen. Drei davon stelle ich heute vor.

© Robert Paêka © Robert Paêka

Pokot

Die Teilzeitlehrerin, Hobbyastrologin und engagierte Tierschützerin Duszejko lebt abgeschieden am Waldrand. Von ihren wiederholten Versuchen abgesehen, die örtliche Jagdgesellschaft bei der Polizei anzuschwärzen (vergeblich), führt sie ein ruhiges Leben, bis eine geheimnisvolle Mordserie im Wald wie in der Stadt für Unruhe sorgt.

Agnieszka Holland inszeniert quasi einen skandinavischen Krimi in Polen, der sich mit viel trockenem und bissigem Humor um die Aufklärung eines Verbrechens dreht, inklusive falscher Fährten und einem explosiven Finale. Dabei erzählt „Pokot“ jedoch viel mehr als nur die Geschichte einer Umweltschützerin an der Grenze zwischen passioniertem und militantem Aktionismus. Die freilich ausschließlich männlich besetzte Jagdgesellschaft steht auch stellvertretend für patriarchale Gesellschaftsstrukturen. So erhält Duszejkos privater Kleinkrieg eine politische Dimension, sie nimmt die Korruption von Polizei und (katholischer) Kirche wie auch Sexismus kritisch unter die Lupe.

Damit gelingt der Regisseurin nahezu die eierlegende Wollmilchsau unter den Berlinale-Filmen: eine unterhaltsame Komödie, ein spannender Krimi und ein Sozialdrama in einem.

@ Fabula© Fabula

Una Mujer Fantástica

Sebastián Lelio, unter dessen Regie sich 2012 fast die ganze Berlinale in seine Filmheldin „Gloria“ verliebte, kehrt mit einem weiteren Frauenporträt in den Wettbewerb zurück, das sich wie auch der vorhergehende Film voll und ganz seiner Hauptfigur verschreibt. Die Sängerin Marina ist als Transfrau nach dem Tod ihres Lebensgefährten nicht nur hochgradig verletzenden Anfeindungen durch die Familie des Verstorbenen ausgesetzt, sondern auch Verdächtigungen durch die Polizei. Statt zu trauern, Abschied nehmen zu können und den Schock dieses plötzlichen Todes zu überwinden, wird Marina von den verschiedenen Parteien nahezu gejagt. Dabei ist für das Kinopublikum von Anfang an klar, dass es sich hierbei nicht um berechtigte Skepsis, sondern ausschließlich um transfeindliche Gesellschaftsstrukturen handelt.

Die Zuschauer*innen haben keinerlei Wissensvorsprung, erleben genau das, was auch Marina erfährt. Umso bedauerlicher, dass Sebastián Lelio den Körper seiner Heldin in zwei Momenten unnötigerweise dem Voyeurismus des Publikums aussetzt, anstatt die entsprechenden Szenen aus Marinas Perspektive zu filmen. So verteidigt sich Marina, die in fast jeder Szene des Filmes zu sehen ist, zwar auf der Dialogebene gegen grenzüberschreitende Fragen zu ihrem Körper, doch auf der Bildebene wird dann doch die Schaulust der Zuschauer*innen befriedigt. Schade auch, dass Sebastián Lelio seiner Heldin nicht ansatzweise so viel Energie und Optimismus zugesteht wie einst „Gloria“. Erst ganz am Ende schenkt er Marina einen Moment der Hoffnung.

Lelio bemüht sich hier sichtlich um ein intimes und respektvolles Porträt. Es geht ihm um Sensibilisierung für das Thema, vor allem aber um bedingungslose Akzeptanz. Deshalb steht „Una Mujer Fantástica“ trotz der genannten Kritikpunkte auf meiner Favoritinnenliste.

© Netflix / Michael Latham © Netflix/Michael Latham

Casting JonBenet

Zuletzt noch ein Abstecher in die Panorama-Sektion, von der ja viele Kolleg*innen sagen, dass sie in den vergangenen Jahren in ihrer Qualität stark nachgelassen hätte. Ein paar Highlights gibt es dann doch. Eines davon ist „Casting JonBenet“.

„Casting JonBenet“ von der australischen Regisseurin Kitty Green („Ukraine Is Not A Brothel“) ist ein filmisches Experiment, das den Versuch unternimmt, das Unfassbare zu begreifen: den brutalen Mord an einem 6-jährigen Mädchen, der titelgebenden JonBenet. Kitty Green nähert sich diesem bis heute ungeklärten Verbrechen mit einer Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm an. Sie macht ihren Casting-Prozess transparent, lässt die Schauspieler*innen über ihr persönliches Verhältnis zu der Geschichte sprechen, einzelne Szenen anspielen und Theorien zur Klärung des Falles formulieren. Das Ergebnis ist eine Stimmenvielfalt, die der Komplexität der Realität, der Unmöglichkeit einfacher Antworten auf schwierige Fragen gerecht werden kann. Auch die Wiederholung einzelner Szenen mit unterschiedlichen Darsteller*innen bildet die multiplen Möglichkeiten ab, wie sich das dramatische Ereignis abgespielt haben könnte, und erschafft darüber hinaus eine manchmal kaum zu ertragende Intensität. Wir sehen den Moment, in dem John Ramsay seine tote Tochter findet, nicht nur ein-, sondern mehrmals hintereinander. Obwohl er nur eine leere Decke in den Armen hält, sorgt dieser Anblick für Gänsehaut.

„Casting JonBenet“ ist ein herausragender Film. Er bemüht sich um eine neue Art der filmischen Aufarbeitung, die sich zwar mit der Realität beschäftigt, jedoch keinen Anspruch auf Wahrheit erhebt und das Publikum sowohl auf kognitiver als auch auf emotionaler Ebene ansprechen kann.

Sophie Charlotte Rieger arbeitet als freie Filmkritikerin und Journalistin. Auf ihrem Blog „Filmlöwin“ widmet sie sich ganz dem feministischen Blick auf Film. Dieses Jahr ist sie für uns auf der Berlinale unterwegs und führt ein Festivaltagebuch.

Bei so vielen guten Filmen muss eines sich fragen: Kann es überhaupt noch besser werden? Ja, es kann. Zum Beispiel mit Sally Potter. Aber davon erzähle ich euch beim nächsten Mal.

February 15 2017

11:03

Was heißt denn… Cisgender

Von Valerie-Siba Rousparast

Wenn es um die Benennung von Geschlechteridentitäten geht, sind wir im deutschsprachigen Raum noch etwas faul. Meistens unterteilen wir Geschlecht in zwei Kategorien: Frau und Mann. Etwas genauer geht es, wenn man zwischen Sex und Gender unterscheidet. Sex bezeichnet das biologische Geschlecht, Gender das soziale Geschlecht, erlernt durch Prägung. Aber auch das biologische Geschlecht ist etwas gesellschaftlich Konstruiertes – denn die Natur, die immer wieder gerne als Wahrheit bemüht wird, sagt nicht, dass eine Vulva per se weiblich ist und deren Träger*in eine Frau sein muss.

©Fotolia/otsphotoHä? ©Fotolia/otsphoto

Gender und Sex sind nicht binär: Es gibt nicht nur Mann oder Frau und daher auch nicht nur cis oder trans. Vielmehr verlaufen beide Eigenschaften ähnlich wie ein Farbspektrum, in dem jede Schattierung möglich ist. Hä, cis? „Cis“ ist das lateinische Präfix für „auf dieser Seite, diesseits, binnen, innerhalb“. Cis bezeichnet jene, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren und dieses Geschlecht auch ausagieren, sprich „performen“. Ist das der Fall, ist man vermutlich ein cis Mann oder eine cis Frau.

Cis zu sein bedeutet also erst mal nur, sich innerhalb der Dichotomie „Mann oder Frau“ wiederzufinden und das von der Gesellschaft als passend betrachtete biologische Geschlecht (Sex) von Ärzt*innen in die Geburtsurkunde eingetragen bekommen zu haben. Es gibt aber auch Menschen, die trans sind, sich also mit einem anderen Geschlecht identifizieren als dem, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Es gibt Menschen, die intersexuell sind, keinem oder zwei biologischen Geschlechtern angehören. Und es gibt Menschen, die sich als nicht-binär und damit – ungeachtet ihrer Genitalien – weder als Mann noch als Frau begreifen. Mal verorten sie sich „zwischen“ den Geschlechtern, mal außerhalb dieser Zweiteilung.

Die Vielfalt von Genderidentitäten lässt sich auch sprachlich abbilden, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Indem man das „*“ oder den „_“ verwendet, zeigt man, dass man nicht nur von Frauen oder Männern spricht. Wenn man zum Beispiel „Freund*innen“ statt „Freundinnen“ schreibt, meint man damit Personen verschiedener Gender.

Wie alle Genderidentitäten, ist auch cis zu sein keine Entscheidung. Es kommt vor, dass sich eine Person erst im Laufe ihres Lebens über ihre trans-, nichtbinäre oder intersexuelle Identität bewusst wird und das entsprechend äußert. Natürlich spielt dabei auch die berechtigte Angst vor Diskriminierung und Stigmatisierung eine Rolle. Cis zu sein ist nichts Sichtbares, sondern fluide.

Jeder Mensch kennt seine Gendernuance selbst am besten. Es gibt auch cis Personen, die gendernonkonform, also nicht geschlechterkonform sind. Sie performen nicht die von ihnen gesellschaftlich erwarteten geschlechterspezifischen Merkmale. Beispielsweise ist es in den meisten westlichen Ländern unüblich, dass ein Mann Röcke oder Kleider trägt. Das Tragen eines Kleides allein macht ihn aber nicht automatisch zu einer trans Person, er kann auch gendernonkonform sein und sich dennoch als cisgeschlechtlich identifizieren.

Das Pendant zu Heteronormativität, also der Annahme und Norm, dass alle Menschen heterosexuell sind, ist übrigens Cis-Normativität. Die Diskriminierung von Personen, die nicht cis sind, nennt sich Cissexismus. Cissexismus geht über Transfeindlichkeit hinaus. Gendernonkonforme cis Personen, also Menschen, die in irgendeiner Form nicht das normative Bild einer Frau oder eines Mannes repräsentieren, können nämlich auch von Cissexismus betroffen sein.

Dieser Artikel ist zuerst in Missy 01/2017 erschienen

February 14 2017

15:38

Berlinale: Von Frauenquoten, sexualisierter Gewalt vor der Kamera und der Macht des Filmschnitts

Von Sophie Charlotte Rieger

Berlinale ist viel mehr als Kino. Es gibt tatsächlich Menschen, die während des Festivals nicht einen einzigen Film sehen, weil sie networken, promoten oder mit anderen eher zwischenmenschlichen Tätigkeiten beschäftigt sind. Zu denen gehöre ich ganz offensichtlich nicht, aber dann und wann verlasse auch ich den Kinosessel, um andere Veranstaltungen zu besuchen, immer dann nämlich, wenn es um Frauen vor und hinter den Kameras geht.

DEU, Deutschland, Berlin-Mitte, Akademie der Künste am Pariser Platz, 12.02.2017: "Reality Check - Wissenschaft meets Comedy" - Pro Quote Regie (www.proquote-regie.de). [Foto + ©: Dietmar Gust für Pro Quote Regie; Mobilfon: +49 (0)172 3016574; web: http://www.gustfoto.de, e-mail: info@gustfoto.de]Mit Entertainment für die Quote. ©: Dietmar Gust für Pro Quote RegieZum zweiten Mal lud Pro Quote Regie während der Berlinale in die Akademie der Künste ein, dieses Mal mit einem umfangreichen, abwechslungsreichen und vor allem unterhaltsamen Programm. Aus den Aktivistinnen sind wahre Entertainerinnen geworden, die jedem biederen Klischee über Feministinnen widersprechen. Ihr diesjähriges Programm allerdings war besonders umfassend.

Nach einer kleinen Ansprache von Akademie-Präsidentin und Regisseurin Jeanine Meerapfel, in der sie auch die Akademie unter die kritische Gender-Lupe nahm, begrüßte Tatjana Turanskyj in gewohnt quirliger Manier die Anwesenden im Namen von Pro Quote Regie und übergab das Mikro an die Moderatorinnen des Events, Bettina Schoeller und Imogen Kimmel.

Der erste Punkt des Hauptprogramms war die thematische Einführung des Publikums in eine Stereotypenperformance, für die sich nun die Versuchskaninchen Esther Gronenborn und Cornelia Grünberg mit der Schauspielerin Julia Thurnau zurückzogen. Sie führten außerdem den „Man for a Day“-Workshops nach einer Methode von Diane Torr durch und ich konnte einen Blick auf die beiden Regisseurinnen – nun mit Bierbauch und Bart – erhaschen.

Zweiter Programmpunkt: Jutta Brückner und ihre erneut und völlig zu Recht umjubelte Ansprache zu unconscious bias, mit einer Fülle an schlauen Ideen zur Angst aller Geschlechter vor den Veränderungen vorhandener Strukturen und mit sehr konstruktiven Lösungsvorschlägen. „Sich für Gendergerechtigkeit einzusetzen ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Intelligenz!“, proklamierte Brückner unter Beifall und stellte dann einen Punkte-Plan vor, mit dessen Hilfe – wenn es nach ihr ginge – sich fortan eine Stiftung der Geschlechtergerechtigkeit vor und hinter der Kamera annehmen solle. Bettina Schoeller versprach, die Rede online zu veröffentlichen. Es lohnt sich also, in den nächsten Tagen mal auf der Webseite von Pro Quote Regie oder ihrem YouTube-Kanal vorbeizuschauen.

Auf die Kampfansage Brückners folgte eine dann im Vergleich doch etwas lasche Diskussionsrunde mit drei Schauspielerinnen, nämlich Nina Kronjäger, Belinde Stieve und Julia Thurnau, über die Rollenbilder im deutschen Film. Bitterkomische Anekdoten sorgten zwar für Lacher, konnten aber inhaltlich nur wenig Neues vermitteln. Belinde Stieve stellte ihr neues Projekt „Augen auf, Mund auf“ vor, mit dem sie uns ab sofort alle motivieren möchte, auf Sexismen, wann immer wir ihnen begegnen, öffentlich aufmerksam zu machen, beispielsweise durch einen Tweet. Den entsprechenden Hashtag nannte sie noch nicht, aber in ihrem Twitter-Feed wird er sicher bald zu finden sein.

Der für mich letzte Punkt der Veranstaltung war der Vortrag von Susanne Foidl, Dozentin an der HFF Konrad Wolf in Potsdam, die dem Publikum die Macht des Filmschnitts hinsichtlich der Konstruktion von Geschlecht verdeutlichte. Film und Fernsehen führte sie als „Weltanschauungsmaschine“ vor, die von Editor*innen quasi beliebig programmiert werden könne. Die von ihr und ihren Studierenden angefertigten filmischen Beispiele waren in der Tat augenöffnend. Am Beispiel einer „Tatort“-Szene zeigt Susanne Foidl etwa wie sich der Blick auf Figuren durch den Schnitt ändern kann. Außerdem gab es einen Vortrag von Dr. Maya Götz, eine Gesangsperformance und vieles mehr. Auch hier hoffe ich auf eine Veröffentlichung der Videoaufzeichnung bei YouTube, sodass alle davon profitieren konnten, die es nicht nach Berlin geschafft haben.

Anlässlich der Berlinale nämlich lud außerdem die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Kampagne „Say no! Stop violence against women“ zu einem runden Tisch, an dem über misogyne Gewalt, ihre Darstellung in Film und Fernsehen sowie über Lösungsansätze gesprochen werden sollte.

Am Tisch saßen Vertreter*innen verschiedener europäischer Filmorganisationen. So zum Beispiel Anna Serner vom Schwedischen Filminstitut und Vertreter*innen der Fernsehsender Sky und Arte. Das European Women’s Audivisual Network (EWA) war ebenso präsent wie die Vereinigung europäischer Filmverleiher (FIAD) oder die Society of Audiovisual Authors. Bei den Anwesenden handelte es sich größtenteils um sich als weiblich identifizierende Menschen mit einem beruflichen Hintergrund in der Filmbranche. Moderiert wurde die Veranstaltung von Renate Nikolay, Vorsitzende des Kabinetts um Věra Jourová im Bereich „Justice, Consumers and Gender Equality“ in der Europäischen Kommission.

Anlass für die „Say no!“-Kampagne war im vergangenen Jahr eine europaweite Studie zu Gewalt gegen Frauen gewesen, deren Ergebnisse einen dringenden Handlungsbedarf anzeigten. Gewalt gegen Frauen ist in der EU keine Ausnahme, sondern die Regel – das ist nicht wirklich überraschend, aber manchmal braucht es eben klare Zahlen, um sich allgemeine Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Das Ziel der Diskussion sollte nun vor allem eine Ideenfindung sein, Vorschläge für konkrete Aktionen und Vorgehensweisen, aber auch eine klare Verortung des Problems. Für meinen Geschmack hielt sich die mit 1 ½ Stunden sehr knapp bemessene Veranstaltung zu lange an der Frage nach einer Regiequote auf, was aber auch daran gelegen haben mag, dass ich direkt von der Pro Quote Veranstaltung kam und sich vieles daher für mich repetitiv darstellte. Dennoch hätte ich mir mehr Gespräche darüber gewünscht, wie Gewalt gegen Frauen im Film dargestellt wird und wie das Medium Film im Kampf gegen diese Gewalt genutzt werden könnte.

Mein Fazit ist jedoch ohne Einschränkung positiv, da sich die Europäische Kommission eines Themas angenommen hat, für das ich in meinem beruflichen Alltag meist vergeblich argumentiere. Einerseits habe ich große Schwierigkeiten, in der Filmkritik oder auch der Kommissions- und Juryarbeit, wie beispielsweise beim Grimme-Preis, die Darstellung von (sexualisierter) Gewalt gegen Frauen überhaupt als valides Argument durchzusetzen. Gleichzeitig sind fiktive Inhalte von Film und Fernsehen im deutschsprachigen Raum noch nicht selbstverständlicher Teil des feministischen Diskurses. Ich jedoch bin überzeugt davon, dass wir nicht nur auf die Inszenierung von Gewalt aufmerksam machen, sondern auch jene audiovisuellen Geschlechterstereotypen kritisch beleuchten müssen, die den Nährboden für eine misogyne Gesellschaft schaffen und/oder aufrechterhalten.

Es ist immerhin eine europaweite Kinotour mit Filmen zu häuslicher Gewalt und entsprechenden Diskussionsveranstaltungen angedacht. Von einer politischen Einmischung, beispielsweise durch die Forderung nach einer Quote, will die Kommission jedoch absehen. In die Redefreiheit der Kunst soll insbesondere in diesen Zeiten auf keinen Fall eingegriffen werden, so Kabinettsvorsitzende Renate Nikolay. Zudem würde bei einem entsprechenden Gesetzesentwurf bis zu seiner effektiven Umsetzung viel zu viel wertvolle Zeit vergehen.

Sophie Charlotte Rieger arbeitet als freie Filmkritikerin und Journalistin. Auf ihrem Blog „Filmlöwin“ widmet sie sich ganz dem feministischen Blick auf Film. Dieses Jahr ist sie für uns auf der Berlinale unterwegs und führt ein Festivaltagebuch.

Mein Eindruck ist: Es bewegt sich etwas. Das Problem ist angekommen. Darauf sollten wir uns aber nicht ausruhen, sondern erst recht in die Vollen gehen. Jetzt ist die Zeit, um etwas zu verändern! Anpacken, mitmachen, weitersagen. Oder wie Belinde Ruth Stieve sagen würde: „Augen auf, Mund auf!“

April 03 2016

16:29

Schwimmen

Dieser Artikel ist im März 2016 in der Brav_a #7 erschienen. Die Brav_a {spanisch: tapfer, mutig, wild, wütend} ist ein queer-feministisches Zine im Stil einer Teenie-Zeitschrift.
Wie ich euch sicher nicht erklären muss, geht es im Text nicht um den Diss von allen Männern, oder die Behauptung alle Männer wären gleich, sondern um die Kritik von dominant performter Männlichkeit.

Ich habe Sport schon immer gehasst, denn beim Schulsport war ich immer die Letzte bei allem. Auch heute verabscheue ich Sport noch und bin sehr unsportlich. Nur Schwimmen mag ich und wegen guter Technik bin ich eine ganz gute Schwimmerin. Also natürlich nicht auf Leistungssportniveau, aber so, dass ich gut mit sportlichen Menschen mithalten kann. Einmal die Woche gehe ich mit einem Freund in die Schwimmhalle an der Landsberger Allee, dort, wo viele dieser sportlichen Menschen ihre Bahnen ziehen. Dieses Becken ist ein Biotop für männliches Dominanzverhalten, und jede Woche freue ich mich ein bisschen darauf, diese Rituale aus nächster Nähe erleben zu können. Dort, in diesem Moment, wenn die Menschen fast nackt sind, und von den allermeisten Merkmalen des sozialen Status, von Bildungsgrad, Beruf, Familienstand, sexuellen Vorlieben oder politischen Meinungen befreit sind, dort, wo Reden keine Rolle spielt, sondern jede Kommunikation auf die reine grobe Körpersprache reduziert ist, dort wird einem die Lächerlichkeit von dominant performter Männlichkeit besonders bewusst.

schwimmen

Erste Szene: Ich, die ich sehr unsportlich aussehe, mit meinem untrainierten Körper und meinem Bäuchlein, fange an zu schwimmen. Hinter mir ein Mann. Der Mann hinter mir drängelt und überholt mich schließlich, er schneidet mich knapp, vielleicht damit ich es auf jeden Fall mitbekomme, wie er mich überholt. Manchmal tritt er mich noch ein bisschen, was bilde ich mir auch ein in seiner Bahn zu schwimmen. Dann jedoch hat der Mann sich verschätzt, das Überholen war anstrengender, als er dachte, und ich bin schneller, als er dachte. Er fällt zurück und ich muss ihn schließlich wieder überholen. Während ich ihn überhole wird er noch einmal schneller, so dass es noch länger dauert und wir dabei noch eine dritte entgegenkommende Person stören. Das einzige Resultat dieser ganzen Aktion ist, dass es uns beide genervt und in unserem Schwimmrhythmus gestört hat. Manchmal wiederholt sich diese Situation mit derselben Person noch mehrere Male, bis ich meine 20 Bahnen geschwommen bin und aufhöre.

Andere Szene: Ein schneller Schwimmer könnte auch auf die Schnellschwimmerbahn wechseln. Doch er bleibt bei den langsameren Menschen und überholt sie ständig. Am Ende der Bahn wartet er dann, bis die Leute, die er gerade überholt hat, an ihm vorbei schwimmen, um sie dann wieder überholen zu können. Die Bahnen sind eng und er nervt alle, aber das ist egal, denn es ist seine Bahn und wir sind sein Hindernisparcours.

Ein Mann sitzt am Beckenrand, genau dort, wo die Schwimmer_innen anschlagen und umdrehen. Man kommt ihm unfreiwillig sehr nahe in diesem Moment. Er reckt seinen Oberköper, und wenn man zufällig in seine Richtung guckt, fängt man seinen Blick. Ganz offensichtlich guckt er, ob die anderen ihn und seinen durchtrainierten Körper auch richtig angucken.

Ein Mann schwimmt auf dem Rücken. Es gibt dafür eigentlich eine extra Bahn, aber weil er ein Mann ist, gehört diese Bahn ihm, und wenn er hier Rückenschwimmen, und dabei in der Mitte der Bahn schwimmen und seine Arme in beide Richtungen fast im rechten Winkel ausstrecken will, dann macht er das. Er schwimmt dazu auch noch sehr langsam, so dass er an ein schwimmendes Riesenfaultier erinnert. Habt ihr mal Videos von schwimmenden Faultieren gesehen? So würde es aussehen, wenn sie auf dem Rücken schwimmen würden. Wenn ich ihn überhole und versuche mich dafür ganz schmal zu machen, schlägt er mir noch mit seinen langen rechtwinkligen Armen auf den Rücken.

Ein Mann schwimmt. Dann hält er nach der Hälfte der Bahn an, weil er jetzt Lust hat sich zu recken. Es ist seine Bahn und er kann sich recken, wann er will, und wenn dann Menschen fast in ihn reinschwimmen und um ihn herumschwimmen müssen ist das nicht sein Problem. Einmal wurde ich Zeugin einer besonders ätzenden längeren Performance dieser Art. Dauernd hielt der Mann in der Mitte der Bahn an und guckt die heranschwimmende Person gelangweilt an und entschied sich erst im letzten Moment zur Seite zu paddeln. Er war nicht 14, wie man erwarten würde, sondern mindestens Ende 40 und hatte eine Frau dabei, die er offensichtlich damit beeindrucken wollte. Als lustige Ergänzung zu dieser Gegebenheit sah ich ihn ein paar Wochen später in der Hausprojekt-Küche einer Freundin wieder, er ist dort ein Mitbewohner. Es gibt nichts Sympathischeres als alte linke Macker, die offensichtlich soundsoviele Jahr in der linken Szene hinter sich haben, ohne sich jemals besonders intensiv mit ihrer Männlichkeit auseinandergesetzt zu haben…

Eigentlich sollte so ein Artikel damit enden, dass Lösungswege aufgezeigt werden. Aber was soll man hier schon für Tipps geben? Bei der Bademeisterin petzen? Ein eigenes FLTI*-Schwimmbad aufmachen? Nicht mehr schwimmen gehen? „Zurücktreten, bis es blutet“? (Zitat des Schwimmfreundes). Nein, ich denke, was man aus meinen subjektiven Anekdoten ziehen kann, ist die Beobachtung dieser konzentrierten, auf essenzielle Verhaltenmuster reduzierten Männlichkeit und die Schlussfolgerungen, dass a) es ist eigentlich weder machtvoll noch respekteinflößend oder „cool“, sondern nur peinlich, unglaublich peinlich… und b) ähnliche, meist etwas subtilere Verhaltensweisen begegnen uns jeden Tag im komplett bekleideten Leben, in der WG, im Beruf, in der Ausbildung oder dem Studium. Und sie zu erkennen, für das, was sie sind – (bewusste und unbewusste) peinliche Machtdemonstrationen – kann helfen, besser damit umzugehen. Sich nicht davon einschüchtern zu lassen und Gegenstrategien zu entwickeln.

von anonym

March 22 2016

10:44

Anti – Street Harrasment Woche 10. – 16. April 2016

Wir sind wütend, weil wir nicht sicher sind auf unseren Straßen, wie es uns einschränkt, uns unserer Freiheit beraubt. Nicht erst jetzt, nachdem seit der Silvesternacht ganz Deutschland auf einmal Sexismus, Street Harassment, sexuelle Belästigung entdeckt hat. Wir sind wütend, weil sexuelle Belästigung nicht erst Silvester erfunden wurde, sondern schon immer vorhanden war. Wir sind wütend darüber, dass nicht endlich eine Auseinandersetzung mit den allgegenwärtigen Sexismen in unserer Gesellschaft stattfindet.

Stattdessen werden hegemoniale Männlichkeiten reproduziert, in denen wir entrechtet werden, indem uns der Diskurs, das Selbstbestimmungsrecht aus der Hand genommen wird. Wir werden instrumentalisiert für fremdenfeindliche, rassistische Propaganda, die Betroffene benutzt, um gegen Fremde zu hetzen. Wir wurden instrumentalisiert für das verschärfte Asylpaket II, bei dem kurzerhand der Schutz der Frauen vor Gewalt rausgeschmissen wurde, obwohl damit gegen die EU-Richtlinie 2013/33/EU des EU-Parlaments und des EU-Rates verstoßen wird. Unser Sexualstrafrecht ist nach wie vor nicht ratifiziert.

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December 21 2015

10:58

Kahlschlag 2015

laempelAnfang 2007 gab es noch einen großen medialen Aufstand, als Britney Spears sich die Haare abrasiert hatte.
Und heute? Scheint Kahlschlag auf dem Frauenschädel immer noch genauso provokant für die Umwelt zu sein.
Laura Nunziante hat sich von ihren Haaren verabschiedet und schreibt auf bento von den Reaktionen:

„Sag mal, bist du krank?“ Das ist die erste Nachricht, die ich auf Facebook erhalte, nachdem ich mein Profilbild geändert habe. „Du siehst aus, als hättest du ’ne Chemo hinter dir.“ Ein langjähriger Freund schreibt: “Läuft wohl nicht so mit den Typen, was?“
(…)
Ich werde auf der Straße mit einer KZ-Insassin verglichen. Ich werde gefragt, ob ich überhaupt noch „gefickt werde bei dem Aussehen.“ Eine ältere Frau fragt mich, warum ich mich über Krebskranke lustig mache.

Frau + rasierter Kopf = krank, mißhandelt, asexuell?
Bei Wikipedia wird interessanterweise eine Studie von Albert Mannes hingewiesen:

Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 von Albert Mannes von der Wharton Business School wird die Glatze gesellschaftlich mittlerweile anders beurteilt. Er fand heraus, dass die Glatze für Größe, Achtung und Macht steht. Unbehaarte wirken dominanter und kräftiger. Sie wurden im Experiment um durchschnittlich 2,5 cm größer eingeschätzt. Weitere Eigenschaften, die mit Glatze in Verbindung stehen sind Aggressivität, Männlichkeit, Wettbewerbsstärke und Erfolg. Dagegen wirken Toupets und überkämmte Haarlücken lächerlich.

Getestet wurde hier natürlich die Reaktion auf männliche Glatzenträger
Vielleicht gibt es in ein paar Jahren mal eine Studie, bei der den Probanden Bilder von Frauen mit/ohne Haupthaar vorgelegt werden – und bei der die Reaktionen dann hoffentlich etwas, ahem… differenzierter ausfallen als bei Laura.
Aber, wie diese so schön feststellt:

Es hat zwei Minuten gedauert, meine Haare abzurasieren. Denkmuster zu durchbrechen, dauert länger.

October 06 2015

18:49

Hauptsache für die Tiere?

Die „Hauptsache-für-die-Tiere“ Fraktion hat wieder zugeschlagen. Zum Welttierschutztag erstellte Sabine M. Mairiedl ein Bild mit einem V*rg*w*lt*g*ngsvergleich. Leider erfuhr das Meme, wie zu erwarten, bei der „Hauptsache-für-die-Tiere“ Fraktion viel Zustimmung. Es gab aber auch viel Kritik, auch von Betroffenen sexualisierter Gewalt. Diese Kritik wurde jedoch nicht ernst genommen und abgewiegelt. Pikanterweise hat Sabine M. Mairiedl das kritisierte Bild nicht auf ihrer privaten Facebookseite veröffentlicht, sondern auf ihrer gewerblichen Seite, auf der – kostenpflichtig – vegane Jobs angeboten und gesucht werden können und dieser Seite enormen Zulauf und Aufmerksamkeit beschert hat. Sabine M. Mairiedl betreibt außerdem eine private Unterstützungsseite der Kampagne „One Billion Rising Deutschland“, auf der das Bild auch geteilt wurde. Diese private Unterstützungsseite ziert das offizielle Logo von One Billion Rising, so dass der Eindruck entsteht, es handele sich hier um eine offizielle Seite von One Billion Rising.

Bei VEGANmimikry ist ein ausführlicher Artikel dazu erschienen.

„Sabine M. Mairiedl begibt sich mit ihrer unsensiblen Ignoranz gegenüber Betroffenen sexualisierter Gewalt auf antiemanzipatorisches Terrain, um ihren monetären Interessen Vorschub zu gewähren. Ihre Argumentation ist antifeministisch, fast schon maskulinistisch. So wird auf dem Rücken Betroffener sexualisierter Gewalt Veganismus propagiert, jegliche Kritik an diesem sektionalen Austausch zweier Unterdrückungsformen mißachtet und nebenbei Werbung für ihren kostenpflichtigen Internetservice gemacht. Hauptsache für die Tiere. Hauptsache Publicity für ihre Seite Vegane Jobs.“

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September 17 2015

15:23

Transfeindlichkeit und Transausschluss bei den Störenfriedas

Triggerwarnung: Transfeindlichkeit

Bei den Störenfriedsas wurde ein haarsträubend unsachlicher und polemischer Artikel zur Trans-Debatte veröffentlicht:

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Infrangibile haben auf den Artikel der Störenfriedas geantwortet:

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August 30 2015

01:12

Respect

„Zeit Online“ erzählt die Geschichte von Otis Reddings Lied „Respect“ und wie Artetha Franklin ihn mit neuer Bedeutung auflud:

In der Tat übertraf Franklins Respect Reddings Original um Längen. Die Aufnahme wurzelte zwar im selben Südstaatensound. Arethas Stimme aber, unterstützt von einem Gospel-Backgroundchor, katapultierte den erdverhafteten Rhythm and Blues Reddings in spirituelle Höhen.

Entscheidend dafür, dass der Song zum Protestlied wurde, war indes noch etwas anderes: dass sie die Perspektive umkehrte. Dass hier eine Frau sang. Dass hier eine Frau Respekt verlangte von ihrem Mann. Sosehr Emanzipation und Gleichberechtigung Schlagwörter der Bürgerrechtsbewegung waren: Mit der Gleichstellung der Geschlechter war es oft auch unter den afroamerikanischen Aktivisten nicht weit her. Im Soul und Rhythm and Blues galt Gewalt in der Ehe nicht selten als Kavaliersdelikt; aus weiblicher Perspektive wurde sie viel beklagt und viel besungen.

Redding forderte Respekt aus der Position des Mächtigeren. Aretha Franklin sprach aus der Position der Benachteiligten. Erst durch diese Umkehrung eignete sich das Lied dazu, Verhältnisse jenseits der eigenen vier Wände mit anzuprangern.

August 11 2015

13:29

Warum Vergewaltigngs“witze“ nicht witzig sind

Inhaltswarnung: Rape Culture

Warum Vergewaltigungs-Witze eine wirklich schlimme Sache sind und auch nicht passiv ‚abgelächelt‘ werden sollten. Die deutsche Übersetzung eines, recht bekannten, Kommentars auf Shakesville.

„Viele Leute beschuldigen Feminist_innen, sie würden denken, alle Männer seien Vergewaltiger. Das ist nicht wahr. Willst du wissen, wer glaubt, alle Männer seien Vergewaltiger? Vergewaltiger glauben das.“

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August 07 2015

09:19

Von Queen Bees und einem manipulierbaren Bienchenstaat, wie er im (Märchen-)Buche steht – Erwachsenwerden in Zeiten des Youtube-Kapitalismus

Es ist so einfach Licht und Schatten zu unterscheiden, wenn die Sonne vom wolkenlosen blauen Himmel brennt und die Augen dank Sonnenbrille nicht unangenehm geblendet werden. So lag ich vor einiger Zeit am Strand und suhlte mich in der südeuropäischen Sonne mal wieder genüsslich in meiner feministischen Wut über die neuesten Youtube-Videos der Lifestyle-Vloggerinnen Dagi Bee und Bibi mit den dazugehörigen Tweets ihrer treuen „Bienchen“ und „Bibinators“, wie sich die Fans selbst nennen. Wahrscheinlich wollte ich mir nur selbst beweisen, dass ich mein politisches Interesse nicht automatisch an der Rezeption des ordentlichen Rentner-All-In-Hotels abgegeben hatte. „Das darf doch wohl nicht wahr sein“, grummelte ich offenbar bereits bestens akklimatisiert in Rentner-Manier vor mich hin, „dass Heerscharen junger Mädchen diesen Queen Bees of Capitalism vollkommen unreflektiert wie ferngesteuerte Zombie-Bienchen mit der gleichen glattgebügelten Frisur hinterherfliegen. Wo sind denn bitte die rebellischen Biene Majas geblieben?!“. Vor kurzem waren solche Lifestyle-Formate in die Kritik geraten; ihnen wurde vorgeworfen die Fans moralisch fragwürdig durch Schleichwerbung auszubeuten. Noch die letzten gelesenen Zeilen von Laurie Penny’s Buch „Fleischmarkt“ im Hinterkopf, summte es jetzt also unaufhörlich unangenehm in meinen Ohren:

„Ja, wir kaufen, mehr als alles andere werden wir gehorsam kaufen, was wir angeblich brauchen, um akzeptiert zu werden.“

Und so haute ich im Eifer des imaginierten Gefechts wahnsinnig rebellisch folgenden Tweet mit dem gerade trendenden Hashtag raus: „#IchDankkeDagiFür die tägliche Erinnerung, dass Feminismus (leider) immer noch nötig ist.“ Dann meinte ich noch einen oben drauf setzen zu müssen, indem ich Jan Böhmermanns Tweet mit folgendem Kommentar retweetete: „Genau so ist das…und Bibi ist mit Schuld an dem ganzen Schlamassel: ‚Kleine Mädchen wollen nicht, wie früher, Pippi Langstrumpf sein. Kleine Mädchen von heute wollen Annika sein.‘“. Mein politisches Gewissen hatte ich damit beruhigt und konnte den Rest des Urlaubs mit Essen, Schlafen, Surfen und Sonnen in wunderbar geordneten Verhältnissen verbringen. Gut zu wissen, wo man steht und wer die plakativen Gegner sind. Herrlich.
Doch zurück im grauen Deutschland waren Licht und Schatten verschwunden, ich hatte die Sonnenbrille abgesetzt, das Hirn wieder eingeschaltet und sah nur noch grauen Einheitsbrei. Zu allem Überfluss folgte mir seit meinen vermeintlich feministischen Twitter-Ergüssen der letzten Tage ein unschuldiges Bienchen, das unter anderem mit den klassischen „Dagi du bist die Beste und Schönste“ -Tweets vor sich hin summt.
Wie konnte das sein, hatte es sich etwa verflogen? War meine Botschaft missverständlich? Oder sollte die ganze „böse Bienenköniginnen – manipulierte Bienchen“-Nummer vielleicht doch nicht so ganz einfach sein?

Summ, summ, summ, Bienchen summ herum

Man muss schon zugeben: Die selbst geschaffene Bienchen-Symbolik im Dagi-Fankult ist in ihrer plakativen Eindeutigkeit sehr bestechend. Die Bienenkönigin (als einzig geschlechtsreifes Tier im Bienenvolk) schart die Arbeiterinnen um sich, steuert diese durch Pheromone und sorgt für ihr Wohlbefinden. Im Gegenzug bauen die Arbeiterinnen den Bienenstock auf und versorgen den Nachwuchs sowie die Königin selbst mit Nahrung. Vor dem Hintergrund der nun endlich auch breiter aufgegriffenen Kritik an intransparenter Werbung bei Youtube, Instagram und Co. erhält diese Eigensymbolik umso mehr Brisanz: Die böse Bienen-Königin manipuliert ihre kleinen Bienchen mit spärlichen und damit umso begehrteren Zeichen der Wahrnehmung und Anerkennung (in Form von Antworten, Folgen, Favorisieren und Retweeten), damit diese ihr bereitwillig folgen und sie mit möglichst vielen Einnahmen aus Werbung und Produktplatzierung versorgen. Doch auch wenn eine Debatte über den schmalen Grat zwischen intransparentem Sellout und notwendiger finanzieller Unterstützung zur Weiterentwicklung von Youtube-Formaten wichtig ist, hinkt der Bienchen-Vergleich an einer wesentlichen Stelle. Es sind nämlich keine willenlosen Bienchen, die ihrer Königin folgen, sondern zumeist junge Mädchen in der Pubertät, die sowohl über ein eigenes Gehirn als auch über einen eigenen Willen verfügen. Ja, wirklich. Sie sitzen und sprechen. Sie können denken und üben sich im Urteilen.

Mädchen und Frauen ausreichend eigenständige Willenskraft und Intellekt abzusprechen ist eine uralte Praktik patriarchaler Gesellschaften. Und immer wenn´s etwas kompliziert wird, wird diese Praktik offenbar gerne mal wieder aus der Mottenkiste gekramt. Zum Beispiel als es zu Beginn des 20. Jahrhunderts um die Frage des Frauenwahlrechts ging. Hier wurde etwa heißt diskutiert, ob Frauen überhaupt über einen unabhängigen Willen verfügen; in einigen Ländern mussten Frauen im Gegensatz zu Männern ihre Schulbildung nachweisen, um wählen zu dürfen. Freilich, auch dieser Vergleich hinkt, denn die klassischen Bibi und Dagi Fans haben das Alter der Wahlberechtigung wohl noch nicht erreicht. Dass die Abwertung insbesondere von jungen weiblichen Youtube-Fans dennoch nach einem ganz ähnlichen Muster funktioniert, ist umso erstaunlicher. Denn die Entscheidung, welcher Lippenstift es nun beim nächsten Drogerie-Bummel werden soll, hat doch eigentlich weniger Tragweite als die Entscheidung, wie das Land regiert werden soll, in dem man lebt.

Raffgierige Täter_innen und treudoofe Opfer?

Bei der Frage, welche Bedeutung Youtube-Protagonist_innen für die Entwicklung heutiger Kinder und Jugendlicher haben (und vice versa), wird es also offenbar für einige gerade wieder etwas kompliziert. Die mediale Berichterstattung nähert sich dem Phänomen derzeit vor allem empört bis schockiert und versucht dabei betrügerische Täter_innen und naive Opfer dingfest zu machen. Auf Chip.de ist hier beispielsweise von „Knackjungen Barbies im Shoppingwahn“ und einer „treudoofen, zahlungswilligen Community“ die Rede. Frontal 21 kündigte ihre Sendung vom 02.06.2015 mit der Überschrift „Schleichwerbung im Netz – Gekaufte Blogger, manipulierte Kids“ an und präsentierte in dem entsprechenden Beitrag enttäuschte junge Youtube-Fans als betrogene, leichtgläubige „Opfer der heimlichen Werbeangriffe“. Zusammen mit der Bienchen-Symbolik-Steilvorlage liegt da der schnelle Griff in die Mottenkiste verführerisch nahe: Alles hirn- und willenlose kleine Mädchen, die einfach zu manipulieren und auszubeuten sind. Schuld sind also die geldgeilen Queen Bees mit ihren unmoralischen Machenschaften und ein wenig auch die dummen kleinen Mitläuferinnen (sofern Dummheit, vor allem in diesem Alter, selbst verantwortet sein kann), klare Sache. Tweet raushauen, wieder gut fühlen, fertig.

Jetzt muss ich aber selbst noch einmal kurz in die Mottenkiste greifen … liegt so verführerisch nahe…*wühl*…*kram*…Tadaaa: Wir sollten es mittlerweile eigentlich besser wissen. Das Narrativ eines bösen Führers mit manipulierbaren, gedankenlosen Mitläufern war nicht nur in Grimms „Der Rattenfänger von Hameln“ irgendwie zu spooky, um menschlich zu sein. Sondern dieses Narrativ sollte – Achtung: stumpfer Nazi-Vergleich! – auch die juristische und moralische Aufklärung der deutschen Verbrechen im zweiten Weltkrieg prägen und wesentlich behindern. „Der Nazi-Vergleich ist nun aber ganz schön weit hergeholt“, werden jetzt sicher viele denken, „was haben denn bitte Kosmetik-Hauls mit Politik und Gesellschaft zu tun?“. Ziemlich viel, behaupte ich, und da spricht jetzt vor allem die soziologisch interessierte Erziehungswissenschaftlerin aus mir.

Was Bienchen-Sein mit den großen Aufgaben des Erwachsenwerdens im Kapitalismus zu tun hat

Ergebnisse medienpädagogischer Forschung zeigen sehr deutlich, dass Kinder und Jugendliche nicht nur einfache Konsumenten von Medien und Medieninhalten sind, sondern dass sie diese aktiv nach ihren ganz persönlichen Bedürfnissen auswählen. Sie nutzen Medien und Medieninhalte nicht nur zum Entertainment, sondern zum Beispiel auch für die Bewältigung ihrer altersspezifischen Entwicklungsaufgaben. Entwicklungsaufgaben sind im Grunde Aufgaben, die jeder junge Mensch beim Erwachsenwerden meistern muss. Welche Entwicklungsaufgaben wie zu bewältigen sind, ist hochgradig durch die Gesellschaft bestimmt, in der Kinder und Jugendliche aufwachsen. Im Kern der Entwicklungsaufgabe geht es dabei einerseits um die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit sowie andererseits um soziale Integration. Oder anders formuliert: Es geht um die Entwicklung einer autonomen, aber gesellschaftskonformen Persönlichkeit. In westlichen Industriegesellschaften wie Deutschland wachsen Kinder und Jugendliche in einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung auf, die marktgesteuert funktioniert, in der Konsum und Kapitalanhäufung wesentlich sind, in der Familien als Kern der Gesellschaft konzipiert werden (zumindest sofern die Eltern heterosexuell sind) und in der insbesondere der Frauenkörper als wesentliches Kontroll- und Machtzentrum fungiert. Und so ist es wenig erstaunlich, dass die hiesige Soziologie und Erziehungswissenschaft unter anderem „Binden“ und „Konsumieren“ als wesentliche Entwicklungsaufgaben identifiziert. Gesellschaftlich erwartetes Ziel ist es hier erstens, Fähigkeiten für eine spätere Familiengründung zu erwerben sowie zweitens, Fähigkeiten für die Rolle als Konsument_in einzuüben. Dazu gehört etwa die Entwicklung der eigenen Körper- und Geschlechtsidentität, die emotionale Ablösung von den Eltern und die Fähigkeit, tragfähige Bindungen zu Gleichaltrigen aufzubauen, die Entwicklung von sozialen Kontakten und Entlastungsstrategien sowie die Fähigkeit zum Umgang mit Wirtschafts-, Freizeit- und Medienangeboten (vgl. etwa Hurrelmann & Quenzel 2012, S. 28).

Vor diesem Hintergrund bieten mediale Protagonist_innen wie Dagi Bee und Bibi mit ihren Formaten wesentliche Ankerpunkte, die Orientierung schaffen können, wie das sleeke Fitting in eine kapitalistische Gesellschaft gelingen kann. Am Übergang zwischen Kindheit und Jugend ist der Ablösungsprozess von den Eltern in vollem Gange und damit aber auch der Verlust von Sicherheit sowie (wenn es gut gelaufen ist) bedingungsloser Akzeptanz. Sich in dieser Situation einer Community anzuschließen, die diese Verluste ein Stück weit auszugleichen vermag, halte ich daher keineswegs für dumm, vielleicht clever, auf jeden Fall aber pragmatisch. Versteht mich nicht falsch, ich will solche Youtube-Formate mit ihren zuweilen einseitigen, stereotypen Frauenbildern nicht unkritisch verteidigen. Ich will eine andere Perspektive anbieten, welche die vermeintlichen Opfer ernst nimmt.
Und schließlich wird bei Menschen im Unterschied zu Bienen zum Glück nicht schon mit der Versorgung als Larve vorbestimmt, ob sie einmal fremdgesteuerte Arbeitsbienen oder mächtige Königinnen werden. Emanzipation ist bei Menschen auch noch jenseits des Larven-Stadiums möglich und erschöpft sich nicht in „entweder fremdgesteuerte Arbeiterin oder autonome Königin“.

Meine urlaubstrunkenen Twitter-Ergüsse waren daher vielleicht nicht unbedingt missverständlich, dafür aber ziemlich dumm. Selbsterkenntnis und so… autsch. Also wieder zurücklehnen und die Entwicklung aus der Ferne mit einem gesunden Maß an Kritik beäugen? Nein. Aus meiner Sicht können wir uns zumindest nicht weiterhin in der Sonne fläzten und mit dem Finger auf die Anderen im Schatten zeigen. Denn die Schuldfrage stellt sich nun ein kleines bisschen unbequemer: Wie können wir eine medienunterstützte „Ausbeutung“ junger Menschen überhaupt moralisch anprangern, ohne die kapitalistische Gesellschaft an sich moralisch zu befragen, für die wir schließlich alle verantwortlich sind? Hier wird es nun tatsächlich kompliziert – und zwar für jede_n von uns.

Quellen
Penny, Laurie (2012): Fleischmarkt: Weibliche Körper im Kapitalismus. Hamburg: Verlag Lutz Schulenberg
Hurrelmann, Klaus; Quenzel, Gudrun (2012): Lebensphase Jugend: Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. 11., vollständig überarbeitete Auflage. Weinheim und München: Beltz Juventa

August 01 2015

16:14

„Arbeite mal an Deinem Männerbild!“

Junge Kosovaren lernen Gewaltlosigkeit und ein neues Männerbild kennen:

„Ich dachte, so muss es sein. Ein Mann hat keine Gefühle. Ein Mann kennt keine Argumente. Er schlägt einfach zu.“

Jetzt ist Jetmir 18. Als er in der Schule erzählte, dass er seiner Mutter im Haushalt hilft, sagten seine Kumpels: „Du Memme. Davon wird man schwul.“ Jetmir antwortete: „Na und, Schwulsein ist doch nichts Schlimmes.“ Sie sahen ihn an, als habe er eine ansteckende Krankheit. Als Jetmir sich für ein Theaterstück die Lippen rot anmalte, schämte er sich. Aber da war der Vorsatz, die Drogen und Prügeleien aufzugeben: „Ich wollte lernen, ein echter Mann zu sein.“ Be a Man heißt die Initiative der Jugendorganisation Peer Educators Network (PEN), die Jetmirs Leben änderte.

July 22 2015

04:01

Transidentität keine Hormonstörung

Eine neue US-Studie räumt nun endgültig mit der antiquierten Vorstellung auf, Transidentitäten rührten von einem hormonellen Ungleichgewicht her:

Wir konnten mit der rückständigen Annahme aufräumen, dass Transsexualität durch ein Hormonungleichgewicht hervorgerufen wird“, sagt Erstautorin Johanna Olsen. Entgegen früherer Annahmen hatten die Teilnehmer keine ungewöhnlichen Hormonspiegel.

Für den Hirnforscher Georg Kranz von der Medizinischen Universität Wien passt dieses Ergebnis gut ins Bild. Schließlich gehe man mittlerweile davon aus, dass sich die Anlagen zur Transidentität bereits im Mutterleib bilden und nicht umkehrbar sind: „Die geschlechtliche Prägung des Körpers – und damit auch die späteren Hormonwerte – und die des Gehirn geschehen zeitlich versetzt während der Schwangerschaft.“

July 10 2015

official-myki:

UK: *legalized same-sex marriage*

Ireland: *legalized same-sex marriage*

New Zealand: *legalized same-sex marriage*

Mexico: *legalized same-sex marriage*

USA: *legalized same-sex marriage*

Australia:

image
Reposted fromthatsridicarus thatsridicarus

July 09 2015

13:17

In Conversation With Porn

Netztrend oder neues Kunstgenre? Die digifeministische Web-Gallerie “Body Anxiety” verwischt Grenzen und schlägt Diskurse auf. Ein Überblick

Von Adriana F. Pauly

Victoria Campbell, Auto-interviews, 2013-15

Victoria Campbell, Auto-interviews, 2013-15

Die amerikanischen New Media Künstlerinnen Jennifer Chan und Leah Schrager haben es geschafft, mit ihrer digitalen Web-Ausstellung Body Anxiety international für Furore zu sorgen. Die Ausstellung besteht aus den Arbeiten von 21 Künstlerinnen. Die Bandbreite ihrer Werke reicht von Online-Performances und GIF-Art zu web- und digitaler Kunst reichen. Zusätzlich werden Videos, Gedichte und Fotografien gezeigt.
Die virtuelle Ausstellung hebt die Vielfalt an Meinungen über Körperpolitik, Selbstdarstellung und Aussagekraft von Frauen hervor, gleichzeitig führt sie uns vor Augen, dass die Kunstwerke von Frauen viel mehr Anerkennung in der männerdominierten Kunstwelt benötigen. Die Werke sind nicht ästhetisch vereint, aber schaffen es, durch ihre kollektive Präsenz Genderstereotype herauszufordern, die gerade im sozialen Bereich des Internets stark vertreten sind.

Leah Schrager, He Makes Me It, I Make Him Him (Model Sex), 2015, C-print

Mit ihrer Ausstellung sind Chan und Schrager Anführerinnen des „Digifeminismus“, einer Bewegung, die sich über das letzte Jahrzehnt im Raum der bisher von Männern dominierten, virtuellen Tech- und Kunstwelt entwickelt hat. „Sobald du deinen Körper online stellst, bist du automatisch in einer Konversation mit Pornographie,“ heißt es im Untertitel der Webseite. Das Zitat stammt ursprünglich von der Künstlerin Ann Hirsch und fasst die anhaltende Problematik mit Repräsentation, pornografisch wie auch jeglicher anderen Art, zusammen. In ihrem Statement als Kuratorin erkennt Chan den Mut der Künstlerinnen an, die sich ohne Scheu der Online-Welt präsentieren. Das Risiko, dass die Bilder aus dem Kontext gerissen und als Vergnügen oder zur Belustigung anderer verwendet werden, ist hoch – und eine Sorge, die unausweichlich jede Frau teilt, die sich entschließt, ihr Gesicht oder ihren Körper öffentlichen zu zeigen.

Hirsch

Anne Hirsch, dance party just us girls, password: imhorny, 2014, video

Chan und Schrager stellen sich aktiv gegen den Gebrauch von Pornos, die mit versteckter Kamera gedreht wurden, so wie gegen gewalttätiges, frauenfeindliches Trolling. Die Künstlerin Faith Holland interveniert direkt an der Quelle, indem sie ihre antiklimaktischen Videos auf der Pornoseite Red Tube veröffentlicht. In ihrem Werk Lick Suck Screen, 2, 2014, zieht Holland aufreizend ihr T-Shirt aus, während sie schüchtern in die Kamera lächelt, jedoch anstelle des implizierten Blowjobs, fängt sie an die Kamera abzulecken. Das Video verwandelt sich in eine zungenfarbige Abstraktion während am unteren Bildschirmrand Hardcore-GIF’s in Schleife laufen.

Bildschirmfoto 2015-07-07 um 17.42.33

Faith Holland, Lick Suck Screen 2, 2014, site-specific digital video

Die Künstlerinnen der Ausstellung spiegeln nicht nur den Missbrauch der bildlichen Ausdrucksweise wider, sondern verkörpern in ihren Werken auch die Verwandlungskraft, Mutationen und Aneignungen dieser Ausdrucksweise. Schrager erklärt, dass die dargestellten Körper wie Fantasien, Klischees, Albträume, Profanität und Dating Profile erscheinen, charakteristisch für online und IRL Fantasiewelten. May Waver wie auch Schrager konzentrieren sich auf die Kreation von Online-Persönlichkeiten, durch die sie archaische Konzepte wie Weiblichkeit, Lust und Sex verarbeiten.

content-aware-5

May Waver, Content Aware 1-5, 2014, gifs

Die Kuratorinnen und Künstlerinnen nehmen es nicht nur mit dem heutigen Konzept von Weiblichkeit auf, sondern bieten auch genderqueeren Menschen die Möglichkeit, sich neu zu erfinden. Die Erkundung von sexuellen Identitäten wird von den gezeigten Künstlerinnen durch Selbstbildnisse erzielt, die radikal anders sind als die limitierten Versionen von Weiblichkeit, die in den Medien verbreitet werden. Die Künstlerin RAFiA manipuliert ihre Selfies digital, um GIF’s zu kreieren, die eine Identität und Persönlichkeit außerhalb des traditionellen Raum der Repräsentation etablieren.

 RAFiA Santana, RAFiA ABOVE (part two of triptych), 2014, Digital Painting


RAFiA Santana, RAFiA ABOVE (part two of triptych), 2014, Digital Painting

Body Anxiety fordert unsere bisherige Auffassung einer Ausstellung heraus und zeigt uns die Werke von 21 Frauen, die sich durch Selbstportraits der Hand des Mannes entziehen. Die Künstlerinnen schaffen es, Konzepte wie Gender Stereotype, Identität und Weiblichkeit, die im Internet weit verbreitet sind, mit dessen eigenen Waffen zu hinterfragen.

July 08 2015

porcelainpoet:

My boyfriend just shaved himself a stache and I’ve already got hairy pits. But I didn’t do that intentionally.. lol. I just see no point in shaving right now. It’s winter time. 

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