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08:21

Wo finde ich die Eine?

Von Ella Carina Werner

Eine Frau braucht eine gute Küchenmaschine, einen Mann zum Anlehnen, ein gebärfreudiges Becken, ein Quäntchen Selbsthass und eine beste Freundin. So will es die Gesellschaft. In jeder Prosecco-Werbung grinsen Perlwein süffelnde Freundinnen Arm in Arm in die Kamera. Die Freundin, zumal die beste, ist ein Must-have, ein Ausweis des eigenen vitalen Soziallebens. Frauen, die keine beste Freundin haben, werden von Sinnkrisen und noch mehr Selbsthass heimgesucht und müssen traurig sterben.

Doch das ist jetzt vorbei! Denn seit Kurzem gibt es diverse Apps und Onlineportale, die Frauenfreundschaften vermitteln, von „friends-up.de“ über „mysookie.com“ und „beste-freundin-gesucht.de“ bis „Hey! VINA“.

Neugierig betrachte ich die vielen fliederfarbenen Webseiten und melde mich überall an. „Weil’s mit Dir einfach schöner ist“, wird mir verheißen, oder: „Der Shopping-Marathon macht zu zweit mehr Spaß.“ Auf den Fotos je ein Frauenpaar mit riesigen Einkaufstüten. Auch „sun, fun and nothing to do“ wird mir versprochen, überall wimmelt es von den Keywords Spaß und Fun. Etwa beim „gegenseitig die Nägel Lackieren“, ja selbst beim gemeinsamen Work-out, Po an Po: „Der Winterspeck muss weg!“, verordnet „FriendsUp“.

Erst mal eine Freundin finden. Aber wen? Freundin ist ja nicht gleich Freundin. Bei

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„MySookie“ kann man unter verschiedenen Typen auswählen: „Wellnessfreundin“, „Shoppingfreundin“ oder die universale „beste“. Nur eine Sauffreundin entdecke ich leider nicht. Ziel ist, eine „liebe Person“ zu finden. Aber eigentlich suche ich eher eine rotzige, auch mal muffelige Freundin, die ordentlich Konter gibt.

Einen halben Tag bin ich nun auf vier Portalen angemeldet. Immer noch kein Match. Niemand schreibt mich an. Kaum jemand wird mir vorgeschlagen. Vielleicht hätte ich in der Selbstauskunft nicht „starke Raucherin“ und als Lieblingsmusik „Dark Metal“ angeben sollen.

Bei „MySookie“ gibt es auf der Startseite einen Liveticker – „Anne W. aus Kiel und Mara S. aus Neumünster sind nun befreundet“ –, der alle paar Minuten aktualisiert wird. Puh, das stresst, das setzt unter Druck, und bei mir: immer noch nichts.

©Jennifer Endom

„Wo finde ich die Eine?“, wird uns Nutzerinnen auf „beste-freundin-gesucht.de“ in den Mund gelegt, und: „Eines Tages kommt die Richtige!“ Warum eigentlich dieser alberne Zwang zur Monogamie, selbst in Sachen Freund*innenschaft? Überhaupt bekommt man auf sämtlichen Seiten den Eindruck, Freund*innen- und Partner*innensuche seien praktisch dasselbe. So gibt es auf „beste-freundin-gesucht.de“ Tipps für das erste Kennenlerntreffen. Die Kernfragen lauten: „Was ziehe ich an?“ und „Wie mache ich meine Haare?“ Dabei ist doch eigentlich das Tolle an Freund*innenschaften, dass man da auch mit fettigen Haaren auftauchen oder nachts hackedicht in deren Klo reiern kann.

„Wahre Freundschaft gibt es nur unter Frauen“, lautet das Motto von „FriendsUp“. Freundschaft unter Männern scheint weniger wichtig. Der Mann ist eben an und für sich vollkommen. Männerfreundschaften, so das mediale Credo, sind flüchtiger. Und irgendwann eh vorbei: „Der Feind tiefer Männerfreundschaft ist die Liebe zur Frau“, heißt es achselzuckend in der „Men’s Health“. Kontaktbörsen für Männerfreundschaften existieren praktisch nicht. Jedenfalls nicht direkt. Die Suche läuft hier über gemeinsame Reiseziele und Hobbys: „Suche ganze Kerle für meine Nepalreise!“

Seit 24 Stunden bin ich jetzt auf Freundinnensuche und hab noch immer keine gefunden. Ich ändere meinen Musikgeschmack, ich tarne mich als Nichtraucherin. Ich werde endlich selbst aktiv und kontaktiere eine Frau, die in meiner Stadt wohnt. „Hab grade letzte Woche schon eine liebe Freundin gefunden, sorry!!“, schreibt sie zurück.

Dann eben nicht. Muss ich den Shopping-Marathon weiterhin alleine bewältigen, muss weiter allein aufs Klo. Ich erwäge, mir einen männlichen besten Freund zu suchen, aber das geht nie gut, das weiß ich aus „Brigitte“ & Co. Wahre Freundschaft gibt es, siehe oben, eben nur unter Frauen.

Dann aber sehe ich ein Licht am Ende des Tunnels: Bei der Google-Suche entdecke ich eine App namens „Ameego“, dort kann man Freund*innen mieten. Gegen Geld. Ehrlich, pragmatisch, ganz ohne fliederfarbene Schriftzüge und Sinnsprüche aus „Der kleine Prinz“. Ganz genau mein Ding. 

Dieser Text erschien zuerst in Missy 03/18.

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