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09:19

„Frauen haben in der Tischlerei eine lange Geschichte“

Interview: Anna Mayrhauser

Wie bist du Tischlerin geworden?
Thais Ribeiro Jibaja: Ich habe die dreijährige Ausbildung in einer Werkstatt absolviert und einmal wöchentlich in der Berufsschule die Theorie gelernt. Ich wollte Tischlerin werden, weil es ein Beruf ist, mit dem ich auch reisen kann. Holz spricht eine internationale Sprache, und das Bedürfnis, daraus Sachen zu erzeugen, gibt es überall auf der Welt.

Thais Ribeiro Jibaja arbeitet als Tischlerin in Berlin. © Mirjam Klessmann

Wo arbeitest du?
Ich bin selbstständig und arbeite ab und zu als Bühnentechnikerin am Theater. Außerdem habe ich mit drei befreundeten Tischlerinnen ein Kollektiv gegründet. Wir lernen viel voneinander. Aufträge nehmen wir gemeinsam an und unterstützen uns gegenseitig. Im Moment habe ich keine eigene Werkstatt, sondern miete mich wochen- oder tageweise ineiner ein.

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?
Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen. Wenn ich mein nötiges Gehalt zusammenhabe, genieße ich meine freie Zeit.

Wie viele Stunden arbeitest du täglich?
Wenn ich arbeite, dann acht Stunden am Tag und etwa zwei Wochen im Monat Vollzeit.

Wie viel verdienst du?
Eine selbstständige Tischlermeisterin verdient etwa 35 Euro die Stunde. Ich verdiene weniger, weil ich Gesellin bin, aber es hängt von meiner Auftragslage ab. Eine Kollegin arbeitet festangestellt in Teilzeit und bekommt ein Fixgehalt, etwa tausend Euro netto im Monat.

Thais Ribeiro Jibaja arbeitet als Tischlerin in Berlin. Ihr Kollektiv ist unter sqllz@gmx.de zu erreichen.

Wie sind die Arbeitsbedingungen für Frauen in deiner Branche?
Frauen haben in der Tischlerei eine lange Geschichte, ich habe bei zwei Meisterinnen gelernt. Ich fühle mich besser, wenn Frauen dabei sind. Deshalb haben wir das Kollektiv gegründet – wir sind nicht alleine und geben uns Sicherheit, etwa wenn wir für einen Auftrag unterwegs sind. Die meisten Kund*innen freuen sich, wenn sie sehen, dass ich eine Frau bin. Am Theater habe ich aber nur Kollegen, die sind auch alle sehr nett. In der Jobausschreibung stand, Frauen würden bevorzugt. Das hat mich ermutigt. Ich finde es wichtig, dass Frauen in allen Branchen mehr repräsentiert werden. Eine inklusive Jobausschreibung kann viel dazu beitragen.

Dieser Artikel erschien zuerst in Missy Magazine 02/2017 und ist ein Beitrag aus der Rubrik „Work Work Work“ in der regelmäßig Frauen von ihrer Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen erzählen.

Reposted byCarridwenTigerle

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